Anti-Gewalt-Wochen in MV
Unabhängiger Journalismus kostet Zeit und Geld. Eure Unterstützung macht ihn aber möglich!
Landesweit Veranstaltungen

Auftakt zu Aktionswochen gegen Gewalt an Frauen

Wir brauchen euch, damit unsere Inhalte kosten- und werbefrei bleiben.

Anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen und Mädchen finden im ganzen Land mehrere Wochen lang verschiedene Aktionen statt. Das Bundeskriminalamt spricht trotz bereits hoher Opferzahlen von einer noch höheren Dunkelziffer geschlechtsspezifischer Straftaten – laut Prognose nimmt die Gewalt an Frauen zu. Die Aktionswochen ab dem 25. November wollen aufklären und strukturelle Probleme geschlechtsspezifischer Gewalt sichtbar machen, aber auch aktiv zu Selbstbestimmtheit ermutigen.

Der 25. November ist der Internationale Tag zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Hintergrund ist die UN-Kampagne Orange the World, die seit 1991 weltweit vom 25. November bis zum 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, auf strukturelle geschlechtsspezifische Gewalt aufmerksam machen will.1 UN Women Deutschland betont, dass das deutliche zahlenmäßige Übergewicht männlicher Tatverdächtiger das Problem patriarchaler Strukturen unterstreicht.

Das bestätigt auch die Polizeiliche Kriminalstatistik 2024, die am 21. November veröffentlicht wurde. Darin werden die erfassten Fälle von Hasskriminalität aus frauenfeindlichen Motiven sowie spezifische Delikten ausgewertet: Sexualstraftaten, häusliche Gewalt – darunter Partnergewalt und innerfamiliäre Gewalt –, digitale Gewalt, Menschenhandel und Tötungsdelikte. Die Tatverdächtigen sind ganz überwiegend Männer.

Geschlechtsspezifische Straftaten gegen Frauen und Mädchen

Der Begriff des Femizids – die Tötung einer Frau aufgrund ihres Geschlechts2 – wird in der polizeilichen Kriminalstatistik in diesem Zusammenhang nicht verwendet, da eine bundeseinheitliche Definition fehle, begründet das BKA.3 Besagte Fälle würden als Tötungsdelikte durch Partnergewalt dennoch sichtbar werden. Bei ihnen ist der Anteil männlicher Tatverdächtiger mit 98 Prozent am höchsten.

Hohe Dunkelziffern vermutet

Die Daten des Lagebildes bilden lediglich das sogenannte Hellfeld ab, also nur jene Fälle, die der Polizei oder der Staatsanwaltschaft bekannt wurden. Für einen Großteil der tatsächlich begangenen Straftaten ist davon auszugehen, dass sie der Polizei nicht bekannt werden und somit zum Dunkelfeld gehören. Das BKA geht insgesamt von einem besonders großen Dunkelfeld aus bei Straftaten, die sich gegen Frauen richten – auch, weil viele Fälle nie angezeigt werden. Gewissheit darüber liefern sogenannte Dunkelfeldstudien und anonyme Opferbefragungen.

Aktionen in MV

Für mehr Sichtbarkeit und aus Solidarität werden heute in manchen Städten in MV, wie Wismar, Rostock oder Schwerin, Flaggen gehisst und Aktionswochen eingeläutet. Beispielsweise werden landesweit in Kooperation mit dem Ministerium für Justiz, Gleichstellung und Verbraucherschutz in Bäckereifilialen bedruckte Brötchentüten verteilt,4 Vereine wie Stark Machen beteiligen sich unter anderem mit Postkartenkampagnen, Ausstellungen und Benefizkonzerten.5 Der Landfrauenverband initiiert die längerfristige Mitmachaktion Mit Nadel und Faden gegen das Schweigen, bei der gemeinsam an Decken und wärmenden Textilien für Frauenhäuser gestrickt, gehäkelt und genäht wird. Neben Lesungen und Theaterstücken, wie der Vorstellung Tat.Sachen in Wismar, gibt es auch online viele Informationsveranstaltungen und Beratungen verschiedener sozialer Träger:innen. Vorpommern-Rügen hat als einziger Landkreis sämtliche Aktionen aufgelistet.

  1. UN Women Deutschland (Hg.): Orange the World, auf: unwomen.de. ↩︎
  2.  Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.): Femizide und Gewalt gegen Frauen, auf: bpb.de. ↩︎
  3.  Bundeskriminalamt (Hg.): Polizeilich erfasste Gewalt gegen Frauen nimmt zu, auf: bka.de (21.11.2025). ↩︎
  4.  Ministerium für Justiz, Gleichstellung und Verbraucherschutz MV (Hg.): Start der Aktionswoche „Gegen Gewalt an Frauen“ in Wismar, auf: regierung-mv.de (17.11.2025). ↩︎
  5.  Stark Machen (Hg.): Anti-Gewalt-Wochen 2025, auf: stark-machen.de. ↩︎

Autor:in

  • Redakteur in Rostock

    An der Küste MVs aufgewachsen und wieder angekommen; feiert Wind- und Wetterfeste, wie sie fallen. Dazwischen Anthropologe und Kulturaktivist.

Gute Arbeit?

Jeder Euro hilft, neue Recherchen zu realisieren!

Ein KATAPULT-MV-Abo beinhaltet:

Mit deinem Abo erhältst du KATAPULT MV und unabhängigen Lokaljournalismus am Leben!

KATAPULT-Newsletter