Auf der Kachel ist ein Bild von der Kranzniederlegung am Denkmal für Opfer des Faschismus in Rostock zu sehen. Vergangenen Freitag wurde hier zur Eröffnung der Hansequeer-Kulturwochen in Rostock den queeren Opfern des Faschismus gedacht. Dazu steht ein Zitat von Heiner Schulze vom Schwulen Museum Berlin: "Das Gedeneken wurde uns nicht geschenkt, es wurde über Jahrzehnte erkämpft. Fotocredits: Katrin Draskovits
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HanseQueer-Kulturwochen: Zwischen Gedenken und Pride

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Mit einer Kranzniederlegung für die queeren Opfer des Faschismus und dem Hissen der Regenbogenflagge vor dem Rathaus sind am vergangenen Freitag die HanseQueer-Kulturwochen (HQK) in Rostock eröffnet worden. Bis zum 18. Juli stehen mehr als 30 Veranstaltungen rund um queeres Leben auf dem Programm. Der Auftakt machte vor allem eins deutlich: Erinnerung, Sichtbarkeit und der Kampf gegen Queerfeindlichkeit gehören nicht der Vergangenheit an. 

Rund 50 Menschen versammelten sich am Freitag zunächst am Denkmal Für die Opfer des Faschismus im Rosengarten. Das Mahnmal steht zwar seit 80 Jahren – doch lange wurden queere Opfer in der offiziellen Erinnerung ausgeblendet.

Queere Opfer des Faschismus

„Lange wurden auch hier bestimmte Opfergruppen unsichtbar gemacht. Queere Menschen spielten keine Rolle“, sagte Heiner Schulze vom Schwulen Museum Berlin, der für die Gedenkveranstaltung nach Rostock gekommen war. 

In seinem Beitrag zeichnete er nach, dass die Verfolgung queerer Menschen nicht erst mit deren Deportation in die Konzentrationslager begann. Bereits in den frühen 1930er Jahren wurden queere Treffpunkte geschlossen, Bücher verbrannt und Menschen systematisch entrechtet. Mit der Verschärfung des Paragrafen 175 verschärfte sich die Verfolgung homosexueller Männer massiv. Sie wurden als „asozial” stigmatisiert, mit dem „Rosa Winkel“ gekennzeichnet und in Konzentrationslager verschleppt. 

Heiner Schulze vom Schwulen Museum Berlin berichtet über die Geschichte von queeren Opfern von Faschismus – aber auch von queeren Widerstandskämpfer:innen.
Fotos: Katrin Draskovits

Schulze sprach auch über die Angst vor Denunziation, über Schutzehen, über Jugendliche in Erziehungslagern und über die Ermordung queerer Menschen im Rahmen der sogenannten Euthanasie. „Das sind nicht nur Statistiken – dahinter stehen Menschenleben“, machte er deutlich.

Mechanismen von Ausgrenzung erkennen

Entscheidend sei, die Mechanismen von Ausgrenzung früh zu erkennen: „Es beginnt mit Stigmatisierung im Kleinen. Das KZ ist das Ende, nicht der Anfang.“ Mit Blick auf die aktuelle politische Entwicklung und die anstehenden Wahlen mahnte er, demokratische und queere Räume konsequent zu verteidigen: „Wir müssen von Beginn an für unsere Räume eintreten, bevor es zu spät ist.“ Schulze widersprach zugleich einem eindimensionalen Bild queerer Menschen als bloße Opfer. Viele hätten sich aktiv am Widerstand gegen das NS-Regime beteiligt. 

Rund 50 Menschen nahmen bei der Kranzniederlegung für queere Opfer des Faschismus teil.

Nach 1945 wurde queeren Opfern lange die Anerkennung als Verfolgte verweigert. Paragraf 175, der sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe stellte, wurde erst 1994 gänzlich abgeschafft, queeren Opfern der Nazis wird in Deutschland erst seit 2023 offiziell gedacht.  

„Dass wir heute hier stehen, ist Ausdruck queerer Resilienz“, sagte Schulze. „Dieses Gedenken wurde uns nicht geschenkt – es wurde über Jahrzehnte erkämpft.“

Sichtbarkeit bleibt umkämpft

Dass dieser Kampf bis heute andauert, zeigte sich auch in Rostock. Zwar verlief die Kranzniederlegung in diesem Jahr friedlich – auch aufgrund der sichtbaren Polizeipräsenz. Doch das war nicht immer so. „Im vergangenen Jahr gab es hier Pöbeleien. Das war wirklich sehr unangenehm“, erinnerte Janni Umlauf, Vorstandsmitglied des CSD Rostock. „Der Hass ist spürbar.”

Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung wurden die HanseQueer-Kulturwochen vor dem Rostocker Rathaus offiziell eröffnet. Mit dem Hissen der Regenbogenflagge bekennt sich die Stadt öffentlich zu Vielfalt und Menschenrechten, wie Jutta Reinders, Stellvertreterin des Bürgerschaftspräsidenten in ihrer Rede klarstellte: „Es ist ein unermüdlicher Kampf um Akzeptanz und Vielfalt, auch in Rostock.“  

20 Jahre HanseQueer

Seit 20 Jahren finden die HanseQueer-Kulturwochen, quasi als Auftakt zum Christopher Street Day, in Rostock statt. In diesem Jahr unter dem Motto „Slay it loud! – Letzte Chance für deine Stimme!”. Franko Wegner, Vorstandsmitglied des CSD Rostock, erklärte das Motto: „Slay ist ein Slangwort, es wäre 2022 fast Jugendwort des Jahres geworden. Wer slayed liefert ab, strahlt und wird gesehen.“

Programm der HanseQueer-Kulturwochen

In den kommenden Wochen laden die HanseQueer-Kulturwochen dazu ein, queere Perspektiven sichtbar zu machen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Das Programm reicht von einer queeren Stadtführung über Theater, Film, Kneipenquiz und Speed-Dating bis hin zu Workshops und Lesungen.

Den Abschluss bildet der Christopher Street Day am 18. Juli. Die Demonstration startet um 11 Uhr auf dem Neuen Markt. Ab 13 Uhr wird auf der Haedgehalbinsel im Stadthafen beim Hafenfest weitergefeiert , die abschließende Party findet in diesem Jahr im Peter-Weiss-Haus statt. Aals sichtbares Zeichen dafür, dass Vielfalt kein Randthema ist, sondern ein demokratisches Grundprinzip.


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Autor:in

  • Redakteurin in Rostock

    Tauschte die Berge des Südens gegen das Meer im Nordosten. Wurde im Rostocker Büro liebevoll Katzen-Oma getauft - hat aber keine Katze.

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