Zum Inhalt springen

Recherche von Correctiv

Hoher Anteil bewaffneter Rechtsextremer in MV

Von und

Lesedauer: ca. 2 Minuten

Deutschlandkarte mit zu bewaffneten Rechtsextremen je Bundesland: mutmaßlich Rechtsextreme mit Waffenbesitzkarte oder kleinem Waffenschein. In absoluten Zahlen liegt Sachsen-Anhalt mit 122 auf Platz eins, gefolgt von MV (121) und Rheinland-Pfalz (93). Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl liegt MV mit 7,4 pro 100.000 Einwohner:innen an der Spitze, gefolgt von Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Artikel teilen

Die Plattform Correctiv hat kürzlich aufgeschlüsselt, wie viele mutmaßlich Rechtsextreme in Deutschland legal Waffen besitzen dürfen. Dazu fragte das Recherchekollektiv die Innenministerien der Länder nach der Zahl der Personen, die über eine Waffenbesitzkarte (WBK) beziehungsweise einen sogenannten kleinen Waffenschein (KW) verfügen.

Mit einer WBK dürfen Schusswaffen erworben werden. Offen tragen darf diese jedoch nur, wer einen „großen Waffenschein“ besitzt. Ihn erhalten Privatpersonen, wenn sie eine erhebliche Gefahr für ihr Leben nachweisen. Mit einem kleinen Waffenschein dürfen dagegen erlaubnisfreie Waffen wie Reizgas oder Schreckschusspistolen verdeckt mitgeführt werden.

Von den insgesamt 758 Rechtsextremen mit Waffenbesitzerlaubnis leben demnach 122 in Sachsen-Anhalt, MV folgt mit 121 dicht dahinter. Brandenburg erhebt nach eigenen Angaben keine Statistik zu dem Thema. Das Saarland hat keine Zahlen mitgeteilt, spricht laut Correctiv jedoch von einer „einstelligen Zahl“ mutmaßlich rechtsextremer Personen, die dort Waffen besitzen dürfen.

Rechercheergebnisse vermutlich verzerrt

Die befragten Bundesländer haben laut Correctiv allerdings unterschiedliche Angaben zur Art der Waffenerlaubnis gemacht: Bayern, Hamburg, Hessen, Schleswig-Holstein und Thüringen haben nicht zwischen WBK und KW unterschieden und eine Gesamtzahl genannt. Die Zahlen aus MV, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Sachsen-Anhalt zu den beiden Arten der Waffenerlaubnis hat die Rechercheplattform zusammengezählt. Baden-Württemberg, Berlin, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen hingegen haben lediglich WBK-Besitzer:innen gezählt, weshalb hier die Zahl im Vergleich zu den anderen Ländern wahrscheinlich geringer ausfällt.

Die Gesamtzahl der Rechtsextremist:innen mit Waffenerlaubnis in Deutschland schätzt Correctiv zurückhaltend auf rund 1.000. Dabei bezieht sich die Plattform – neben den Angaben der Bundesländer – auf Recherchen von Report Mainz und Angaben der Bundesregierung. Demnach hätten am Stichtag 31. Dezember 2021 rund 2.000 Rechtsextreme und Reichsbürger:innen eine waffenrechtliche Erlaubnis gehabt. Die Zahl der tatsächlich bewaffneten Rechtsextremen – also einschließlich derer, die illegal Waffen besitzen – liege vermutlich deutlich höher.

Die Behörden können eine Waffenbesitzerlaubnis nicht einfach entziehen. Häufig gelingt dies erst nach langwierigen Gerichtsverfahren. Nur bei konkreter Gefahr im Verzug kann der Besitz von Waffen zügig verboten werden.

Mehr zu bewaffneten Rechtsextremen in MV:

MV braucht mehr als nur eine Zeitung pro Region. Holt euch ein KATAPULT-MV-Abo!

Autor:innen

Lektor/Korrektor

Geboren in Rostock.
Aufgewachsen in Rostock.
Studierte in Rostock. Und Kiel.

Neueste Artikel

Trock´ne Zahlen zu Rechtsextremen und Antidemokrat:innen. Die wir vor der Wahl recherchiert haben: 70, die davon in die Lokalpolitik gewählt wurden: 46.

19.06.2024

Rechtsextreme und antidemokratische Lokalpolitiker:innen

Sie haben es geschafft: Diese Rechtsextremen und Antidemokrat:innen wurden in Stadtparlamente, Gemeindevertretungen, Kreistage, Bürgerschaften und Bürgermeisterämter in Mecklenburg-Vorpommern gewählt. Eine Übersicht.

19.06.2024

Bunte Bürgerschaften

Mit der Kommunalwahl hat sich auch die Zusammensetzung der Stadtvertretungen von Greifswald, Stralsund, Rostock und Wismar geändert. Anders als in anderen Städten MVs werden diese „Bürgerschaften“ genannt. Kreisfreie und große kreisangehörige Städte dürfen ihre Vertretung so nennen, wenn „dies mit ihrer Geschichte übereinstimmt“. Damit wird auf die hanseatische Vergangenheit der Orte abgestellt. Ob die Wahl am 9. Juni die Zukunft der Städte in eine neue politische Richtung lenkt, wird sich zeigen. Künftig sitzen hier auf jeden Fall viel mehr unterschiedliche Personen zusammen.

18.06.2024

Private Fehde auf Kosten der Stadt?

Eigentlich wollte ein Verein in Waren einen Bauspielplatz errichten. Doch das Vorhaben wurde zum Politikum. Am vorläufigen Ende steht ein Rechtsstreit des Vereins mit einem Stadtvertreter, der sich weniger um die Sache als vielmehr um private Befindlichkeiten zu drehen scheint. Für die Stadt ist das Projekt nun vom Tisch. Doch eine Frage bleibt: Wie weit dürfen Stadtvertreter:innen auf Kosten der Stadt und gesellschaftlich Engagierter eigentlich gehen?