Jede zweite Kommune in MV ist laut einer aktuellen Studie schlecht versorgt. Zu diesem Ergebnis kommt der „Gemeindecheck“ des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Untersucht wurden 10.817 Gemeinden in Deutschland anhand von 17 Indikatoren aus den Bereichen Gesundheit, Bildung, Mobilität, Freizeit und Digitalisierung. Nur eine Gemeinde in MV schafft es dabei unter die Top 100.
Von Admannshagen-Bargeshagen im Landkreis Rostock bis Züssow in Vorpommern-Greifswald wurden alle Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern bewertet.1 Dabei hat Güstrow am besten abgeschnitten: Die Stadt landet auf Platz 20. Danach folgt erst wieder die Insel Hiddensee auf Platz 245. Jede zweite Kommune in MV sei „sehr schlecht” versorgt, so die Ergebnisse. Allgemein seien ostdeutsche Gemeinden zu 30 Prozent „sehr gut“ versorgt, westdeutsche nur knapp 20 Prozent.
AfD-Anhänger:innen sind unzufriedener
Für die Studie wurden zusätzlich rund 5.000 Menschen befragt. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede bei der Wahrnehmung der Daseinsvorsorge. Unter AfD-Anhänger:innen überwiege die Unzufriedenheit: 39 Prozent halten die Versorgung in ihrer Region für nicht zuverlässig, nur 26 Prozent bewerten sie als zuverlässig.
„AfD-Anhänger nehmen selbst die unmittelbare Versorgung in ihrer Gemeinde durch einen Pessimismusfilter wahr“, sagt Studienautor Matthias Diermeier dazu. Die Wahrnehmung öffentlicher Angebote sei entscheidend für die Zufriedenheit mit der Demokratie. Geld allein reiche nicht aus, um politischer Entfremdung entgegenzuwirken. Entscheidend sei deshalb nicht nur, welche Angebote vorhanden sind, sondern auch, wie sie wahrgenommen werden.
Philip Morris: Fragwürdiger Auftraggeber der Studie
Die Untersuchung wurde vom Institut der deutschen Wirtschaft durchgeführt, einem arbeitgebernahen Wirtschaftsforschungsinstitut. Auftraggeber ist Philip Morris International, der weltweit größte Tabak- und Nikotinkonzern mit Sitz in Lausanne in der Schweiz.
Philip Morris veröffentlicht regelmäßig Studien zu gesellschaftlichen und politischen Themen. Der Konzern begründet dies mit seiner angestrebten Transformation vom klassischen Zigarettenhersteller hin zu einem Anbieter rauchfreier Produkte. Kritische Stimmen bezweifeln jedoch, dass dieser Wandel bereits vollzogen ist. Der Großteil der Umsätze stammt weiterhin aus dem Verkauf von Zigaretten.2 Der Konzern wird zudem für seine Lobby-Strategie, Außenkommunikation und Werbung kritisiert.3
- IW (Hg.): IW-Gemeindecheck: wie gut ist meine Gemeinde versorgt, auf: iwkoeln.de (25.5.2026). ↩︎
- Martin Rücker: Neue Philip-Morris-Strategie: Plötzlich “rauchfrei” – was dahinter steckt, auf riffreporter.de (14.11.2024). ↩︎
- Lobby Control (Hg): Philip Morris, auf: lobbypedia.de. ↩︎

