Zwei große Blumensträuße erhielt Simone Oldenburg nach ihrer Wahl. Als Spitzenkandidatin soll die amtierende Bildungsministerin die Linke in den Landtagswahlkampf führen. 69 Prozent der 114 anwesenden Delegierten gaben Oldenburg ihre Stimme, der Rest stimmte mit Nein oder enthielt sich. Zum Vergleich: Claudia Müller (Grüne) wurde in diesem Jahr mit 88 Prozent1 und Daniel Peters (CDU) mit 97 Prozent2 als Spitzenkandidaten ihrer jeweiligen Parteien gewählt. Trotz der fehlenden Einigkeit um Listenplatz eins geht Oldenburg gelassen mit dem Ergebnis um. Es sei ein „Zeichen einer pluralistischen Partei“.

Landesvorsitzender Hennis Herbst wurde auf Listenplatz zwei gewählt. Rund 75 Prozent der Delegierten stimmten für ihn. Es wäre das erste Mal, dass der junge Politiker in den Landtag einzieht. Platz drei ging mit 67 Prozent der Stimmen an die amtierende Justizministerin Jacqueline Bernhardt. Landeslistenplatz vier erhielt mit 70 Prozent Zustimmung Christian Albrecht, der bereits seit 2021 Teil des Landtags ist.
Das Vertrauen in andere Personalien war dagegen überraschend besser. Die ehemalige Gleichstellungsbeauftragte MVs Wenke Brüdgam erhielt 82 Prozent der Stimmen für ihren fünften Listenplatz. Sie war in die Kritik geraten, weil sie ein inzwischen gelöschtes Video verbreitet hatte, in dem sie eine Deutschlandfahne in der Hand hielt. Diese hatte sie vorher von einem leerstehenden Haus abgerissen.3 Nach der Kritik an dem Video trat sie Anfang Dezember 2025 als Gleichstellungsbeauftragte zurück. In ihrer Rede vor den Delegierten in Rostock entschuldigte sie sich für ihren Fehler. Landtagsabgeordneter Michael Noetzel wurde mit 90 Prozent auf Listenplatz sechs gewählt und holte damit das eindeutigste Ergebnis der oberen Plätze.
Gerangel in den vordersten neun
Ab Listenplatz sieben endete diese Einigkeit. Nachdem die im Vorfeld vorgeschlagene Jugendkandidatin Sophie Tieding gegen Fanny Jarmer auf Listenplatz sieben gewählt wurde, gab es zwei Kampfabstimmungen. Landtagsabgeordneter Torsten Koplin trat gegen Horst Krumpen an. Letzterer ist aktuell Bürgermeisterkandidat in Wismar. Koplin konnte Listenplatz acht deutlich für sich entscheiden.
Knapper wurde es beim Listenplatz neun. Nurgül Senli aus Rostock musste sich gegen Landtagsabgeordnete Steffi Pulz-Debler aus Parchim behaupten. Pulz-Debler sollte eigentlich drei Listenplätze weiter hinten antreten. Letztlich setzte sich Senli mit 64 Prozent der Stimmen durch. Pulz-Debler landete schlussendlich auf Listenplatz zwölf.
Wohnungs- statt Umweltpolitik
Bei den Themen für den Landtagswahlkampf gab es auf den vorderen Plätzen allerdings Einigkeit. Sozialere Wohnungspolitik, Gleichstellung und klare Kante gegen Rechts forderten mehrere Redner:innen. Das Thema Klima- und Umweltschutz stand dagegen eher hinten an. Erst Horst Krumpen brachte im Kampf um Listenplatz acht beispielsweise das Thema Verkehrswende auf den Plan. Immer wieder fordern Vertreter:innen der Ökologischen Plattform – einer parteiinternen Gruppe, die sich für den sozial-ökologischen Umbau der Wirtschaft einsetzt – eine Positionierung der restlichen Spitzenpolitiker:innen zu Umweltthemen ein. Überlässt die Partei diesen Schwerpunkt also den Grünen?
Spitzenkandidatin Simone Oldenburg windet sich um eine konkrete Antwort. Man würde das Thema „natürlich nicht“ allein den Grünen überlassen, da es aktuell aber noch kein Wahlprogramm gebe, könne sie nicht konkreter werden.
Schwieriges Verhältnis zur SPD
Kritik an der aktuellen Koalitionspartnerin SPD kam im Laufe der Veranstaltung unter anderem von Hennis Herbst. In der Bundespolitik würde man sehen, wie sich die SPD von der CDU beeinflussen lasse und Rückschritte in der Sozialpolitik zulasse. In MV habe die Linke stattdessen soziale Ideen in die rot-rote Koalition gebracht. Die beiden Ministerinnen Oldenburg und Bernhardt betonten dagegen eher die Erfolge ihrer Regierung.
Angesprochen auf die aktuelle Koalition und zukünftige Pläne wollte sich Oldenburg nicht äußern: „Wir möchten, dass es den Menschen in Mecklenburg-Vorpommern besser geht und das schafft man mit einer starken Linken. Das ist für mich jetzt interessant und alles andere juckt mich erst einmal gar nicht.“
Von der Bundespolitik gab es am Anfang der Veranstaltung eine digitale Grußbotschaft. Bundesvorsitzender der Partei Jan van Aken wünschte besonders Hennis Herbst und Nurgül Senli viel Erfolg. Beiden rechnet er Chancen auf ein Direktmandat in ihren jeweiligen Wahlkreisen aus. Herbst in der Stadt Greifswald, Senli für die Kröpeliner-Tor-Vorstadt in Rostock. Letztere tritt damit in direkte Konkurrenz mit dem aktuellen SPD-Fraktionsvorsitzenden Julian Barlen.
Im Moment hat die Partei neun Mandate im Landtag. Nach neusten Umfragewerten liegt die Linke bei 11 Prozent. Zur kommenden Wahl auf eine ähnliche Fraktionsgröße zu kommen gilt also als wahrscheinlich.
Listenplätze im Überblick:
- Simone Oldenburg
- Hennis Herbst
- Jaqueline Bernhardt
- Christian Albrecht
- Wenke Brüdgam
- Michael Noetzel
- Sophie Tieding
- Torsten Koplin
- Nurgül Senli
- Salim Hemeed
- Jeannine Rösler
- Steffi Pulz-Debler
- Amina Kanew
- Julia Wenzel
- Ewa Martyna Dabrowska
- Steffi Griffel
- Fanny Jarmer
- Franz Hübner
- Jutta Reinders
- Armin Latendorf

