Der Regionale Planungsverband Vorpommern hat am 29. Januar im Greifswalder Kulturbahnhof über die Streichung der sogenannten Vorbehaltsgebiete Klimaschutz für Moore entschieden. Das Moorbündnis sieht darin ein falsches politisches Signal und demonstrierte vor Ort.
Wissenschaftler:innen und Umweltschützer:innen setzen sich seit über 30 Jahren für eine Wiedervernässung der Moore ein.1 Denn die trockengelegten Flächen stoßen klimaschädliche Treibhausgase aus. Nasse Moore speichern hingegen CO₂ und sind klimaneutral. Vorpommern-Greifswald ist bundesweit sogar der Landkreis mit den höchsten Treibhausgasemissionen aus Mooren.2 Etwa 12 Prozent der Landfläche in MV bestehen aus Mooren – diese sind für rund 30 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich.
Klimaschutz, Biodiversität und Planungssicherheit
Die Festlegung von Vorbehaltsgebieten für Moore – also eine verbindliche Flächenplanung – wäre laut den Naturschützer:innen ein wichtiger und zukunftsweisender Schritt für Klimaschutz, Biodiversität und den Wasserhaushalt in der Region. Die Streichung aus dem Raumentwicklungsplan Vorpommern3 sende hingegen ein „politisch falsches und unzeitgemäßes Signal“, so die Protestierenden.
Die ausgewiesenen Flächen würden Planungssicherheit für den Klimaschutz schaffen, eine zwangsläufige Wiedervernässung sei durch die Vorbehaltsflächen außerdem nicht vorgeschrieben. „Wobei auch auf wiedervernässten Mooren noch eine Wertschöpfung möglich ist“, sagte ein Sprecher des Moorbündnisses gegenüber KATAPULT MV. Auch der Entwurf des Klimaverträglichkeitsgesetzes von Oktober 2025, stelle die herausragende Bedeutung einer Wiedervernässung der Moore für den Klimaschutz in Mecklenburg-Vorpommern fest.4

Viel Potenzial und fehlender politischer Wille
Diese Erkenntnis sollte sich nach Meinung des Moorbündnisses auch in der regionalen Raumplanung Vorpommerns widerspiegeln. Die Naturschützer:innen sehen für MV auch die Chance, als „leuchtendes Beispiel“ voranzugehen und auf Bundesebene als erste Region die 30 Prozent Treibhausgasemissionen zu senken. Das Potenzial dafür sei da. Der politische Wille allerdings weniger.
Das zeigte zumindest die Abstimmung des Regionalen Planungsverbands Vorpommern am Donnerstag. Das Gremium stimmte mit großer Mehrheit für eine Streichung der sogenannten Vorbehaltsgebiete Klimaschutz. Begründet wurde die Entscheidung vom Planungsverband unter anderem damit, „mehr Flexibilität“ im weiteren Planungsprozess für Vorpommern zu gewährleisten.
Ein Änderungsantrag des Greifswalder Grünen-Politikers Jörg König, die Vorbehaltsflächen nicht zu streichen, wurde abgelehnt. Für Ulrike Berger (Grüne) steht fest: „Die trockengelegten Moore haben in der Vergangenheit der Landwirtschaft genutzt. Diese werden zukünftig zum Nachteil werden, denn durch den Klimawandel gibt es viel längere Dürreperioden und der Grundwasserspiegel sinkt. Daran kann auch die Landwirtschaft kein Interesse haben.“
- Rust, Martje: Die Sache mit dem Moor, auf: katapult-mv.de. ↩︎
- Süddeutsche Zeitung (Hg.): Vorpommern-Greifswald ist Kreis mit höchsten Moor-Emissionen, auf: sueddeutsche.de (5.1.2023). ↩︎
- Regionaler Planungsverband Vorpommern (Hg.): 3. Sitzung der Verbandsversammlung. Beschluss des zweiten Entwurfs der Gesamtfortschreibung des Regionalen Raumentwicklungsprogramms Vorpommern, auf: rpv-vorpommern.de (14.1.2026). ↩︎
- Landtag Mecklenburg-Vorpommern (Hg).: Entwurf eines Gesetzes zur Gestaltung einer klimaverträglichen Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern und zur Änderung anderer Gesetze, auf: landtag-mv.de (29.10.2025). ↩︎

