Die Bewerbungsphase für eine Mitwirkung im Beirat für Hafenentwicklung in Rostock hat begonnen. Das Ziel: Der neue Hafenbeirat soll breiter und diverser aufgestellt sein als sein Vorgänger – das Hafenforum. Als Diskussionsplattform verspricht der Hafenbeirat eine öffentliche Beteiligung am Prozess der Weiterentwicklung des Überseehafens. Aber wer ist im neuen Gremium überhaupt vertreten?
Derzeit können sich an der Hafenentwicklung interessierte Rostocker:innen bis zum 5. Juni für eine Beteiligung im Hafenbeirat bewerben.1 Die Gründung des Gremiums und dessen Geschäftsordnung basieren auf einem Beschluss der Rostocker Bürgerschaft.2 Insbesondere die geplante Hafenerweiterung des Überseehafens sowie zuletzt die Werkserweiterung des Unternehmens EEW sorgen für Interessenkonflikte und kontroverse Debatten. Um einem demokratischen Beteiligungsprozess künftig gerechter zu werden, soll der neu zu bildende Hafenbeirat das bisher bestehende Hafenforum als beratendes Gremium ablösen. Doch was unterscheidet den neuen Hafenbeirat vom vorherigen Hafenforum?
Mehr Mitsprache und Transparenz geplant
Als beratender Arbeitskreis begleitete das Hafenforum seit 2011 den Prozess der Hafenentwicklung. Das nicht-öffentliche Forum setzte sich aus Interessensvertreter:innen der Hafengesellschaft, Stadtverwaltung und von Umweltverbänden zusammen. Es stand unter anderem in der Kritik, zu einseitig und hinter verschlossenen Türen zu agieren. Die Umweltverbände Naturschutzbund (Nabu) sowie der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) waren deshalb bereits vor Jahren aus dem Hafenforum ausgetreten.3
Der Hafenbeirat dagegen soll „breiter und diverser aufgestellt“ werden, erklärt Torsten Fischer, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Mobilität. Die Sitzungen sind außerdem mit externer Moderation geplant. In seinen Zusammenkünften – so der Plan – soll der Beirat „im Spannungsfeld zwischen privaten und öffentlichen Interessen nach Lösungswegen für eine mögliche Hafenentwicklung“ suchen.4 Das Gremium gebe im Rahmen von Planungsprozessen Empfehlungen ab, die wiederum Bestandteil der Abwägungsentscheidungen der Bürgerschaft werden, beschreibt Fischer. Einen „direkten verbindlichen Charakter für die kommunale Bauleitplanung“ haben diese Empfehlungen allerdings nicht.
Wer darf mitreden?
Laut Geschäftsordnung setzt sich der Hafenbeirat aus insgesamt 31 Mitgliedern zusammen. Davon werden fünf Plätze an Einwohnervertreter:innen sowie zwei an Mitglieder von Bürgerinitiativen vergeben– für diese Plätze können sich interessierte Rostocker:innen bewerben. Die Einwohnervertreter:innen sollen explizit aus den umliegenden Stadtteilen Gehlsdorf, Markgrafenheide und Toitenwinkel kommen, zusätzlich können zwei Interessierte aus anderen Stadtteilen mitwirken. Der übrige Teil des Mitgliederkreises steht ebenfalls schon fest und ist in der Geschäftsordnung aufgelistet.5
Zu den teilnehmenden Interessengruppen gehören die Verwaltung der Universitäts- und Hansestadt, Vertreter:innen der Landesverwaltung und der Politik (Ausschüsse und Ortsbeiräte), Rostock Port in einer Doppelrolle als Geschäftsbesorgung der Hafenentwicklung sowie als Interessenvertretung der Hafenwirtschaft, weitere Interessenverbände – darunter auch Nabu und BUND – sowie Wissenschaftler.innen.
Doch wie wird die geplante Neuaufstellung des Gremiums wahrgenommen?
Repräsentation und Kritik
Susanne Schumacher vom BUND sieht ein Ungleichgewicht in der Zusammensetzung des neuen Hafenbeirats. Die Stimmen „eines Wirtschaftswachstums auf Kosten wertvoller natürlicher Lebensgrundlagen“ überwiegen im Gremium eindeutig gegenüber denen, die sich „für ein zukunftsfähiges Wachstum innerhalb ökologischer Grenzen“ einsetzen.6 Dabei betont sie aber auch, dass Wirtschaft und Natur- beziehungsweise Klimaschutz nicht gegeneinander ausgespielt werden dürften. Beides werde gleichwertig gebraucht, so Schumacher.
Ein weiterer zentraler Aspekt ihrer Kritik ist das Festhalten der Entscheidungsträger an der Zerstörung jahrtausendealter Naturräume, wie dem Naturwald Swienskuhlen und dem Naturschutzgebiet Warnowästuar. Schumacher argumentiert, dass ein funktionierender Naturhaushalt Lebensversicherung gegen Klimawandel und Artensterben darstelle. Gleichzeitig sei er aber auch direkte Voraussetzung für eine produktive Wirtschaft. Die Versiegelung unwiederbringlicher Naturräume könne aus Sicht der Umweltverbände durch eine effizientere Flächennutzung bereits vorhandener Industrieflächen verhindert werden.
- Hanse- und Universitätsstadt Rostock (Hg.): Jetzt für die Mitarbeit im Hafenbeirat bewerben, auf: rostock.de (6.5.2026). ↩︎
- Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Mobilität (Hg.): Beschluss Nr. 2025/BV/0524: Bildung eines Beirates für die Hafenentwicklung, auf: rostock.de (10.12.2025). ↩︎
- BUND-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern (Hg.): BUND steigt aus Hafenforum aus, auf: bund-mecklenburg-vorpommern.de (25.3.2022). ↩︎
- E-Mail von Torsten Fischer vom 5.5.2026. ↩︎
- Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Mobilität (Hg.): Aufgaben, Befugnisse und Zusammensetzung des Beirates für Hafenentwicklung, auf: rostock.de (10.12.2025). ↩︎
- E-Mail von Susanne Schumacher vom 5.5.2026. ↩︎

