Digitale Erinnerungskultur; "Jüdische Geschichte sichtbar zu machen, heißt auch, junge Menschen für die Gefahren von Ausgrenzung zu sensibilisieren - und sie zu stärken im Einsatz für Vielfalt, Menschlichkeit und Demokratie", sagt Magdalene Kunert, Projektleiterin von "erinnern und leben".
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Erinnerungskultur

Digitale Projekte machen jüdische Geschichte sichtbar

Die Website „erinnern und leben“ und die App „Stolpersteine Digital“ widmen sich jüdischer Geschichte in MV. Beide Projekte wurden am 26. Januar im Greifswalder Rathaus vorgestellt und zeigen, wie moderne Erinnerungskultur gelingen kann. Welche besonderen Möglichkeiten bieten die digitalen Angebote gegen das Vergessen?
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Im Rahmen des Projekts erinnern und leben hat das Medienzentrum Greifswald, gemeinsam mit der Integrierten Gesamtschule „Erwin Fischer“ und der Universität Greifswald, erstmals einen umfassenden digitalen Zugang zur jüdischen Geschichte der Stadt geschaffen. Bei dem dreimonatigen Schulprojekt wandelten die Schüler:innen auf den historischen Spuren des jüdischen Lebens der Hansestädte Stralsund und Greifswald und recherchierten dessen Hintergründe. Projektleiterin Magdalena Kunert betont die Bedeutung des Vorhabens: „Jüdische Geschichte sichtbar zu machen, heißt auch, junge Menschen für die Gefahren von Ausgrenzung zu sensibilisieren – und sie zu stärken im Einsatz für Vielfalt, Menschlichkeit und Demokratie.“

Internetseite zeigt einen Teil der jüdischen Geschichte Greifswalds

Die Erfahrungen der Schüler:innen wurden unter anderem in Form von Videos und Zeichnungen festgehalten und sind wichtiger Teil der Dokumentation. Auf der Internetseite des Projekts finden Interessierte neben einer interaktiven Karte auch ein Interview mit dem Landesrabbiner Yuriy Kadnykov sowie Informationen zum jüdischen Friedhof in Greifswald, der sich an der Gützkower Landstraße befindet. Er ist seit vielen Jahrzehnten kaum noch als Friedhof erkennbar und fast in Vergessenheit geraten. Das Projekt erinnern und leben, das von der offenen Jugendarbeit der evangelischen Altstadtgemeinden Sankt Jacobi, Sankt Marien und Sankt Nikolai getragen wird, sammelt derzeit Spenden, um die Begräbnisstätte instand zu setzen und vor dem Vergessen zu bewahren. Gefördert wurde das Projekt durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, den Vorpommern-Fonds und die Johannes-Bugenhagen-Stiftung.

MVs Stolpersteine werden digital aufbereitet

Auch das zweite Projekt, das die Landeszentrale für politische Bildung am 26. Januar im Greifswalder Rathaus vorstellte, soll moderne Erinnerungskultur fördern: Die App Stolpersteine Digital bereitet die Biografien von Opfern des NS-Terrors mithilfe von Augmented Reality (AR) auf – also einer digitalen Erweiterung der realen Umgebung. Deutschlandweit umgesetzt wird das Projekt von Dataport, dem IT-Dienstleister der norddeutschen Bundesländer. Ziel sei es, alle Stolpersteine in Deutschland zu digitalisieren und mittels AR ein personalisiertes Erinnern und Gedenken zu ermöglichen. In Bremen und Schleswig-Holstein sind bereits die Biografien sämtlicher NS-Opfer, derer mit einem Stolperstein gedacht wird, vollständig digital verfügbar. Interessierte können die Gedenksteine einscannen und erhalten so alle Informationen zur jeweiligen Person. Aktuell werden alle entsprechenden Daten und Informationen aus Mecklenburg-Vorpommern zusammengetragen. Nutzer:innen der App können damit vor Ort digitale Gedenkkerzen hinterlassen, die sieben Tage lang brennen. Derzeit beinhaltet das Projekt bereits rund 2.900 der über 90.000 Stolpersteine in Deutschland.

Autor:in

  • Redakteurin in Greifswald

    Irgendwas zwischen Patchworkwendekid und Halbprovinzbohème. Wohnte in 4 von 16 Bundesländern. Hat einen Meisterbrief und einen Papagei.

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