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CDU-Spitzenkandidat in Meck-Vorp

Michael Sack

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CDU
geboren 1973 in Demmin
Landesvorsitzender der CDU, Landrat von Vorpommern-Greifswald
Berufswunsch als Kind: Förster

Ausbildung, Leben, DDR

Michael Sack wurde 1973 in Demmin geboren. Nach der zehnten Klasse begann der heutige Landrat eine Ausbildung zum Bauzeichner in Neubrandenburg, studierte danach in Weimar: „Ich wollte im Osten bleiben, aber erst mal so weit wie möglich weg von MV, um über den Tellerrand zu gucken.“ In den letzten Jahren seiner akademischen Ausbildung fing er ein Berufsschullehramtsstudium in Erfurt an. Michael Sack schloss seinen Bildungsweg mit einem Referendariat als Lehrer für Bautechnik und Mathematik an der Berufsschule in Greifswald ab. Danach unterstützte er als Lehrer eines privaten Schulträgers orientierungslose Jugendliche beim Berufseinstieg.


Seine Eltern traten damals nicht der SED bei. Honecker-Witze waren zu Hause gelegentlich erlaubt. Über die DDR sagt er: „Für mich ist der größte Ausdruck eines Unrechtsstaates das Ministeriums für Staatssicherheit.“ Wenn es der Staat in diesem Ausmaß schaffe, Menschen in seinen Grenzen festzuhalten, sei das klar zu benennen und streng von den Lebensleistungen der DDR-Bürger:innen zu trennen. Sack selbst war 16 Jahre alt, als die Mauer fiel. Da in der DDR alles gewohnt und alles darüber hinaus eher unbekannt war, fiel ihm die DDR-Diktatur in seiner Jugendzeit wenig auf, erklärt Sack. Er habe zwar gemerkt, dass die Leute in den Städten demonstrieren, aber erst am Tag des Mauerfalls verstanden, in was für einem Unrechtsstaat er bisher gelebt habe.

Michael Sack, Spitzenkandidat der CDU in Mecklenburg-Vorpommern, im Interview mit KATAPULT-Praktikant Tilo Jung von Jung & Naiv (92 Min.)

Der Weg in die CDU, politisches Weltbild

Mitglied der CDU wurde er aufgrund familiärer Bindungen zur christdemokratischen Partei und nicht zuletzt, weil ihm während seiner Zeit in Loitz Missstände auffielen, die er verändern wollte. So ging er mit Kritikpunkten zum damaligen Loitzer Bürgermeister, fand bei ihm aber kein Gehör. Vor der Kommunalwahl 2009 informierte sich Sack, wer eigentlich in der Stadtvertretung sitzt: „Ich kannte den einen oder anderen bei der CDU und dachte, dass ich mir die Truppe gut vorstellen kann.“ Nachdem er in die CDU eingetreten war, wurde er in die Stadtvertretung und zum Bauausschussvorsitzenden gewählt. 2010 wurde der heutige CDU-Landeschef Bürgermeister von Loitz: „Wenn’s mich stört, dann muss ich es anpacken und ändern.“

Wir wollen nicht die stärkste Oppositionspartei werden. Ganz bestimmt nicht.

Bis 2017 sammelte Sack dort erste kommunalpolitische Erfahrungen. 2018 stand dann die Landratswahl an, die er mit großem Abstand gegen AfD-Kandidat Axel Gerold gewann: „Bis jetzt habe ich jeden Wahlkampf gewonnen.“ Aktuell ist Michael Sack CDU-Landesvorsitzender in Meck-Vorp und Landrat von Vorpommern-Greifswald. Sein oberstes Ziel ist es nun, Meck-Vorps neuer Ministerpräsident zu werden – oder zumindest eine Regierungsbeteiligung.

Seine Politik sei von einem liberalen Weltbild geprägt, sagt Michael Sack. Gute Ideen unterstützen, Innovation fördern: „Menschen, die sich aus ihrer inneren Motivation heraus weiterentwickeln wollen, sollte man die Chance geben“, erklärt er und weist darauf hin, dass er gerne von dem Begriff „politisches Weltbild“ absehen möchte: „Ich würde sagen, es gibt eher Werte, die mich leiten.“ Familie und die Bindung beziehungsweise der Zusammenhalt, der daraus entsteht, auch in der Gesellschaft, seien bei ihm sehr präsent. Fleiß und Glück in der Karriere sind für Sack von großer Bedeutung: „Wenn du etwas, willst musst du es selbst machen und angehen.“ Rassismus und Diskriminierung stellen für Michael Sack die Grenzen der Freiheit dar.

Laschet, Amthor und Caffier

Die CDU ist in der Vergangenheit öfter mit Personaldebatten aufgefallen. Der Wahlkampf der CDU auf Bundesebene läuft nicht so gut für die CDU. Tilo Jung fragt Michael Sack, ob ihm das Angst mache, ob das möglicherweise den Wahlkampf hier in MV beeinflussen könnte. Der CDU-Spitzenkandidat macht sich jedoch keine Sorgen, dass das Ringen um den Chef:innensessel in Schwerin von Problemen und dem Wahlkampf auf Bundesebene abhängig ist. Die Christdemokratische Partei in MV habe genug eigene Themen vorzuweisen.

Hat Philipp Amthor nicht eine zweite Chance verdient als junger Mensch?

Philipp Amthor ist zuletzt wegen seiner Aktienoptionen bei Augustus Intelligence unter politischen Druck geraten. Das hat ihn den CDU-Vorsitz in MV gekostet, den Sack jetzt innehat. Auf die Frage, ob Sack die Aktion von Amthor legitim fand, antwortet er schwammig: „Politisch war das ein großer Fehler und den hat er sich eingestanden“, wirft jedoch an anderer Stelle ein, dass es viel problematischer sei, Amthor immer wieder mit den Vorwürfen zu konfrontieren.

Lorenz Caffier trat 2020 von seinem Amt als Innenminister zurück, weil er verdächtigt wurde, eine Waffe von einem Rechtsextremisten gekauft zu haben. Michael Sack kennt Caffier ganz gut und erzählt: „Wir telefonieren öfter.“ Er sieht die Vorwürfe noch nicht bewiesen und möchte keine Mutmaßungen anstellen, solange die Behörden den Fall nicht umfassend aufgeklärt haben: „Der Rücktritt ist Sache des politischen Drucks und nicht Ausdruck davon, dass Caffier die Waffe wirklich gekauft hat.“

Bildungsminister Michael Sack?

Schule muss besser werden.

Wie bereits erwähnt wurde Michael Sack als Quereinsteiger Berufsschullehrer und unterrichte danach junge Erwachsene, die den Sprung ins Berufsleben nicht von alleine schafften. Davon gebe es noch immer zu viele. Er betont, dass in Meck-Vorp 1.300 von 13.400 Schüler:innen den Schulabschluss 2020 nicht geschafft hätten. Es bestehe im Nachhinein die Möglichkeit, sich durch das Jobcenter zu qualifizieren, jedoch müsse es viel früher anfangen: „Schule muss besser werden“, bekräftigt der CDU-Spitzenkandidat. Sack hat sich zwar nicht als Bildungsminister beworben, nimmt jedoch für sich in Anspruch, auf diesem Gebiet über Kompetenzen zu verfügen. Mehr gute Lehrer:innen ausbilden, Quereinsteiger fit für den Unterricht machen, mehr Lehrer:innen anstellen, zusammengelegte Unterrichtsfächer etablieren und Lerngruppen nach Fähigkeiten zusammenstellen – so stellt er sich die Schule der Zukunft vor.

Position zur AfD, Verfassungsschutz

Bei der Frage, welche Partei die CDU MV als Koalitionspartner ausschließen würde, nennt Michael Sack die Linke und die AfD: „Die CDU braucht die AfD nicht“, entgegnet Sack und weist darauf hin, dass die AfD das Land sowieso nicht voranbringen würde. Es gebe keine „Andockpunkte“ an die rechte Partei.

Aus meiner Sicht ist die AfD in den letzten Jahren deutlich nach rechts gerutscht.

Im weiteren Verlauf des Interviews stellt sich jedoch heraus, dass einige Mitglieder der AfD MV zur CDU übergelaufen sind. Dürfen sie das? Michael Sack sagt ja: „Die, die am Anfang im Wirtschaftsflügel der AfD vor der Flüchtlingskrise waren, sind durchaus einige, die ich nicht in der rechten Ecke verordne.“ Ein Beispiel sei Matthias Manthei. Ob die AfD in MV rechtsradikal sei, solle am besten der Verfassungsschutz beurteilen, so Sack.

Ich nehme die AfD im Wahlkampf nicht wahr

Nicht ganz sicher ist er sich bei der Frage nach der Beobachtung durch den Verfassungsschutz. Michael Sack zögert: ja, nein, ja, nein, er habe keine Informationen, ja, nein. Dann fügt er hinzu: „Ich nehme die AfD im Wahlkampf nicht wahr.“ Michael Sack würde sich nicht mithilfe der AfD zum Ministerpräsidenten wählen lassen.

Nord Stream 2, Klimaschutz, Moore

Nach der Gaspipeline gefragt verweist Michael Sack darauf, dass es „eine Unterstellung“ sei, dass die CDU das Projekt unterstütze. Aber: „Es wurden Verträge geschlossen, die nicht gebrochen werden sollen.“ Ohne weiter darauf einzugehen, erklärt er, dass es wichtigere Themen als Nord Stream 2 gebe.

Ich glaube, wir haben wichtigere Themen als Nord Stream 2 und Erdgas.

Wie sieht’s aus mit Klimaschutz? Mit der CDU werde Meck-Vorp bis 2045 das 1,5-Grad-Ziel erreichen, so Sack. Er wolle sich an den Bundeszielen orientieren. Im Wahlprogramm stehe nichts über denkbare Maßnahmen, weil er die Leute auf dem Land nicht von erneuerbaren Energien überzeugen könne: „Die Ziele kann man alle ins Wahlprogramm schreiben, aber man muss die Menschen dazu mitnehmen und das sehe ich momentan nicht“, argumentiert der CDU-Spitzenkandidat. Auch die Vorstellung, Meck-Vorp zum Vorzeigebundesland für erneuerbare Energie zu machen, betitelt er als „unsäglich“.

Die Wiedervernässung von Mooren sei seit Jahren ein präsentes Thema, so Sack, nur müsse aufgepasst werden, dass nicht alles unter Wasser gesetzt werde. Die Flächen landwirtschaftlich zu nutzen, führe zu einer unglaublichen Artenvielfalt, sie zu vernässen jedoch nur zu Monokulturen aus Schilf. Forscher:innen sehen das übrigens anders, denn Renaturierungsmaßnahmen führen auch zu einer Neu- oder Wiederansiedlung gefährdeter Arten.

Strompreise, Windparks, Breitbandausbau

Viel wichtiger, als über Klimaziele zu diskutieren, sei es, den Strompreis im Land zu senken, denn die Menschen in Meck-Vorp bezahlten deutschlandweit am meisten: „Es kann doch nicht sein, dass wir viermal mehr Windenergie in der Region mitfinanzieren, als wir selbst verbrauchen, und dann auch noch einen höheren Strompreis dafür bezahlen.“ Hinzu komme, dass die ärmsten Gemeinden im Bundesland die größten Windparks verzeichneten und am Ende finanziell nichts bei ihnen ankomme.

Mit Breitbandausbau meint die CDU im Wahlprogramm den Ausbau des Glasfasernetzes. Michael Sack setze sich dafür ein, „so schnell wie möglich“ damit zu beginnen. Auf eine Jahreszahl für die Fertigstellung möchte er sich nicht festlegen.

Corona, Schuldenbremsen-Fetisch und Pflegepersonal

Der Landkreis Vorpommern-Greifswald ist in der Pandemie mit hohen Inzidenzzahlen aufgefallen. Michael Sack erklärt das vor allem mit der Nähe zu Polen. Infektionsketten, die hier aufgedeckt wurden, verhinderten höhere Fallzahlen in anderen Landkreisen, so Sack. Vorpommern-Greifswald stand in der Kritik, weil Daten nicht veröffentlicht wurden. Das führte zur positiven Verzerrung der Infektionszahlen. Der Landrat entschuldigt die mangelnde Datentransparenz mit der Arbeitsflut vor Ort: „Mit all der Personalstärke hat es nicht gereicht, diese Welle, die uns in mehreren Schüben erreicht hat, wirklich abzuarbeiten.“ Die Angestellten seien an ihre Grenzen gegangen.

Mit all der Personalstärke hat es nicht gereicht, diese Welle, die uns in mehreren Schüben erreicht hat, wirklich abzuarbeiten.

„Ist die Schuldenbremse eigentlich ein Fetisch der CDU?“, fragt unser Praktikant Tilo. Die schwarze Null sei eben wichtig, verteidigt Sack, vor allem, wenn man „den nachfolgenden Generationen keinen Haufen Schulden überlassen“ wolle.

Für Pfleger:innen in Meck-Vorp fordert Sack weniger Belastung, keine bessere Entlohnung. Seiner Meinung nach ist es wichtiger, die Arbeitszeit der Pflegekräfte auf 30 Stunden zu verringern, als sie besser zu bezahlen. Um Personallücken zu schließen, setzt er vorerst auf Arbeitskräfte aus dem Ausland, vorrangig aus Polen.

Fischbrötchentermin und Landgrabbing

Zum 1. Mai marschierte die NPD in Greifswald auf. Michael Sack als Landrat war nicht vor Ort. Noch an diesem Tag postete er auf Instagram ein Foto von sich aus dem Greifswalder Stadtteil Wieck, in der Hand ein Fischbrötchen, mit der Bildunterschrift: „Heute ist nicht bloß 1. Mai sondern auch der Tag des Fischbrötchens“. Er erklärt, an diesem Tag nicht in Greifswald gewesen zu sein. Das Bild sei einige Tage vorher aufgenommen worden. Da der Landkreis Genehmigungsbehörde war, sei er den ganzen Tag in Bereitschaft gewesen und hatte Kontakt mit den Behörden vor Ort: „Es ging darum, dass wir diese Lage dort gut abarbeiten können, und daher war meine Arbeit im Vordergrund.“ Auf die Frage, ob er vor Ort gewesen wäre, wenn die Arbeit nicht gewesen wäre, antwortet Michael Sack mit ja.

In Meck-Vorp wird immer häufiger so genanntes Landgrabbing betrieben. Dabei werden riesige Ackerflächen von Superreichen und Konzernen erworben. Auf die Frage, wie er dem entgegenwirken wolle, antwortet er: „Da bin ich ein wenig überfragt, weil es derzeit mit unserem Rechtssystem legitim ist.“ Hierbei gehe es dann auch um Fragen des Grundrechts auf Eigentum und wie weit das eingeschränkt werden könne, merkt Sack an, und fügt hinzu, dass das Thema zunächst auf Bundesebene diskutiert werden solle.

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