Trock'ne Zahlen: Rechtsextreme aus MV, laut Verfassungsschutzbericht 2025: 2.030 (Das sind so viele wie noch nie). 700 davon seien gewaltorientiert
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Verfassungsschutzbericht 2025

Neuer Höchststand: über 2.000 Rechtsextreme in MV

Gestern wurde der Verfassungsschutzbericht 2025 von Innenminister Christian Pegel gemeinsam mit Thomas Krense, Leiter der Verfassungsschutzabteilung, vorgestellt. Erstmals verzeichnen MVs Sicherheitsbehörden über 2.000 Rechtsextreme. Rechtsextremismus bleibt weiterhin die größte Gefahr für die Demokratie.
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Laut Verfassungsschutzbericht 2025 gibt es derzeit 2.030 Rechtsextreme in MV. Das sind erstmals mehr als 2.000, die im jährlichen Bericht vorkommen. 2005 lag die Zahl noch bei 1.200 Personen.1 Schaut man auf alle sogenannten Phänomenbereiche des Extremismus, zählen die Sicherheitsbehörden insgesamt 3.810 Extremist:innen in MV.2 Das größte Personenpotenzial fällt dabei auf den Anteil im Bereich Rechtsextremismus

Rechtsextremismus als „tickende Zeitbombe“

Für Michael Noetzel, Innenpolitischer Sprecher der Linksfraktion in MVs Landtag, sind die Zahlen alarmierend und die Prognose düster. „Erstmals knackt die Anzahl von Neonazis und anderen Rechtsextremisten die 2000er-Marke. Dazu kommen 800 Reichsbürger und Selbstverwalter – der am stärksten wachsende Phänomenbereich hier im Land“, so Noetzel. Der Linkenpolitiker geht davon aus, dass in Zukunft noch eine erhebliche Zahl von AfD-Mitgliedern in die Statistik einfließen werde, die derzeit noch nicht offiziell als gesichert rechtsextrem gelten. Kritik gibt es von Seiten Noetzels in Bezug auf die lediglich 700 Rechtsextremen, die als gewaltorientiert eingeordnet werden. Er teile dabei die Einschätzung des ehemaligen Referatsleiters in der Verfassungsschutzabteilung, Michael Flenker. Dieser soll im NSU-Untersuchungsausschuss zu Protokoll gegeben haben, dass Neonazis immer gewaltbereit sind. Es sei nur eine Frage, wann Gewalt zur Anwendung komme. Nämlich dann, wenn es aus Sicht der Rechtsextremen politisch sinnvoll sei.3 Der Innenpolitiker kritisiert zudem, dass sich in MV 373 Schusswaffen legal in den Händen von Rechtsextremen befinden. Hinzu kämen 66 Waffen in der Reichsbürger:innenszene. „Verschiedene rechtsterroristische Attentate in der jüngeren Vergangenheit verdeutlichen aber, dass wir es hier mit tickenden Zeitbomben zu tun haben“, betont Noetzel. 

AfD MV weiterhin nicht als gesichert rechtsextrem eingestuft

„Der Verfassungsschutzbericht bestätigt erneut: Rechtsextremismus bleibt die größte Gefahr für unsere freiheitliche demokratische Grundordnung. Umso unverständlicher ist es, dass die AfD in Mecklenburg-Vorpommern weiterhin nicht als gesichert rechtsextrem eingestuft wird“, sagt Constanze Oehlrich, Vorsitzende und Innenpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen MV. Während die AfD in allen anderen ostdeutschen Bundesländern bereits als gesichert rechtsextremistisch eingestuft ist, ginge MV weiterhin einen Sonderweg, so Oehlrich.4

Auch der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Julian Barlen, nimmt Bezug auf die AfD. „Was früher im Hinterhof stattfand, passiert heute in verschlüsselten Chats und TikTok-Videos. Rechte Ideologen vergiften die Köpfe, ganz gezielt, ganz früh. Und die AfD leistet dieser Entwicklung mit ihrer Hetze in den sozialen Medien systematisch Vorschub“, so der SPD-Politiker. Als Beispiel führt er den AfD-Direktkandidaten auf Rügen, Tommy Thormann, an, der öffentlich mit Wehrmachtshelm und rassistischen T-Shirts posiert. Er verteile zudem Aufkleber an Jugendliche, auf denen das rechtsextreme Erkennungszeichen White Power verwendet wird. Ende April wurde außerdem bekannt, dass der AfD-Politiker politisch linksorientierten Menschen im Falle einer Regierungsübernahme der AfD Razzien und weitere Repressionen androhte.5 „Die Tatsache, dass Herr Holm und die AfD sich von solchen Personen nicht ansatzweise distanziert beziehungsweise sie als AfD-Kandidaten für die Landtagswahl absetzt, zeigt, wie tief die AfD im Rechtsextremismus verstrickt ist“, so Barlen.6

  1. Ministerium für Inneres und Bau MV (Hg.): Verfassungsschutzbericht 2006, S. 39, auf: verfassungsschutz-mv.de (Frühjahr 2007). ↩︎
  2. Ministerium für Inneres und Bau MV (Hg.): Verfassungsschutzbericht 2025, S. 27, auf: verfassungsschutz-mv.de (Juni 2026). ↩︎
  3. Pressemitteilung der Linksfraktion MV vom 11.6.2026. ↩︎
  4. Pressemitteilung der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen MV vom 11.6.2026. ↩︎
  5.  Ludmann, Stefan: NS-Jargon: AfD-Kandidat Thormann droht der Linken Razzien und Repression an, auf: ndr.de (28.4.2026). ↩︎
  6. Pressemitteilung der SPD-Landtagsfraktion MV vom 11.6.2026. ↩︎

Autor:in

  • Redakteurin in Greifswald

    Irgendwas zwischen Patchworkwendekid und Halbprovinzbohème. Wohnte in 4 von 16 Bundesländern. Hat einen Meisterbrief und einen Papagei.

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