So viele Bio-Produkte gibt es für MVs Schülerinnen und Schüler, dargestellt in einem Kreisdiagramm. Darauf zu sehen: der Anteil ausgegebener Mittagessen in Prozent, Stand 2024. Das Diagramm zeigt 1 Prozent der ausgegebenen Mittagessen sind komplett Bio, 32 Prozent sind anteilig Bio, 24 Prozent gar kein Bio und 43 Prozent unbekannt.
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Ernährung

Viel Bio in MV – nur nicht auf dem Teller von Kindern

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In MV wird viel Bio produziert – doch in Schulen und Kitas kommt davon kaum etwas an. Eine Studie zeigt: Nur ein Prozent der Schüler:innen bekommt ein vollständiges Bio-Menü, in Kitas sind es sechs Prozent. Dabei könnte das Land seinen Bedarf an Bio-Lebensmitteln durchaus selbst decken. Wo liegt das Problem?


Bio-Lebensmittel gelten als umweltschonend. Und als gesünder: mehr Nährstoffe, weniger Pestizide und kein Antibiotikaeinsatz, um nur einige Aspekte zu nennen.1 In Mecklenburg-Vorpommern wirtschaften bereits viele Betriebe ökologisch. Dennschon jetzt sind etwa 25 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe im Land biozertifiziert – entsprechen also den strengen Standards, die unter anderem den Verzicht auf chemische Pestizide oder Gentechnik garantieren. Rund 15 Prozent der Fläche in MV wird ökologisch bewirtschaftet. Nur kommen wenige dieser Bioprodukte in Schulen und Kitas an.

Eine Studie von 2025,2 entstanden im Rahmen des Projekts RegioVers, wirft einen Blick auf die Gemeinschaftsverpflegung  im Land – also auf Altenheime, Krankenhäuser, Hochschulmensen und Justizvollzugsanstalten. Das Ergebnis: In Kitas essen lediglich sechs Prozent der Kinder Menüs, die zu mindestens 75 Prozent aus Bio-Zutaten bestehen.3 An den Schulen MVs ist es noch weniger: Gerade mal ein Prozent der Schulen im Land serviert  ein komplettes Bio-Menü. Und das in einem Bundesland, das beim Ökolandbau bundesweit auf Platz zwei liegt.4

Die Regiovers-Studie

Regiovers steht für die Regionalisierung von Bio-Wertschöpfungsketten durch die Diversifizierung von Bezugsquellen für die öffentliche Gemeinschaftsverpflegung. Laut Eigenbeschreibung ist Ziel des Projekts, eine funktionierende Versorgung der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung mit regional erzeugten Bio-Lebensmitteln in MV zu fördern und dazu regionale Wertschöpfungs- und Verarbeitungsketten aufzubauen.5 Die Studie Beschaffungsverhältnisse für regional-ökologische Lebensmittel in der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung in Mecklenburg-Vorpommern, verfasst von Jakob Wondra und Nina Katz, bezieht sich auf das Jahr 2024 und baut auf Online-Erhebungen und Expert:inneninterviews. Die Rücklaufquote der digitalen Erhebung war jedoch gering und ist laut Aussage der Autor:innen „an der Grenze für valide Aussagen“.  

Jeden Tag zehntausende Essen – fast ohne Bio

Die Studie zeigt die Dimension: Rund 155.000 Schüler:innen lebten 2024 in MV.6 Davon aßen etwa 61 Prozent der Grundschüler:innen und 30 Prozent der Schüler:innen an weiterführenden Schulen in der Schule.7 Das ergibt täglich etwa 36.000 Mahlzeiten an Grundschulen und 31.000 an weiterführenden Schulen. 

Frisch gekocht wird an den Schulen allerdings nur selten. Nur vier Prozent der befragten Schulen nutzen eine sogenannte Frischeküche – bereiten also Speisen vor Ort aus frischen Lebensmitteln zu. Die Mehrheit von 86 Prozent der Schulen setzt auf ein Cook-and-Hold-System. Hierbei wird das Essen woanders zubereitet, warm angeliefert und dann an die Schüler:innen ausgegeben. 

Bio spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Nur eine von 125 befragten Schulen bietet ein vollständiges Bio-Menü an. 32 Prozent verwenden zumindest einzelne Zutaten mit Bio-Siegel. Traurig, aber gut zu wissen: Ein Teil der Schulen weiß laut Studie nicht einmal genau, woher die verwendeten Lebensmittel stammen.8 

Kein Bio-Standard in Kitas

In MVs Kitas sieht es etwas anders aus. Immerhin zehn Prozent kochen dort selbst mit frischen Zutaten. Aber der Großteil des Essens kommt auch hier von externen Unternehmen. 73 Prozent nutzen das Cook-and-Hold-System, sechs Prozent setzen auf eine Mischküche mit frischen und tiefgekühlten Komponenten. Und sieben Prozent nutzen ein Cook-and Chill-System, bei dem kalt gelieferte Mahlzeiten in der Kita erwärmt werden. 

Auch hier bleibt Bio die Ausnahme: 31 Prozent der Kita-Mahlzeiten wurden komplett ohne Bio-Anteile zubereitet. 34 Prozent der Mahlzeiten enthalten weniger als ein Viertel Lebensmittel aus biologischem Anbau. 20 Prozent der Kitas geben an, dass die Kinder mit 25 bis 49 Prozent Bio-Lebensmitteln versorgt werden. Lediglich sechs Prozent der Kitas bieten überwiegend oder komplett Bio-Menüs an. 

Das Problem liegt nicht auf dem Acker

Dabei könnte Mecklenburg-Vorpommern seinen Bedarf an Bioprodukten durchaus selbst decken. Um für die 200.000 täglichen Mahlzeiten in der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung  einen Bio-Gemüse Anteil von 30 Prozent zu erreichen, werden laut Studie etwa 1.600 Tonnen Bio-Gemüse jährlich benötigt. Produziert werden derzeit im Land 14.582 Tonnen. 

Die Kachel zeigt eine Grafik, die aufzeigt, wie viel Fläche in MV landwirtschaftlich genutzt wird. 1.347.000 Hektar sind konventionelle Landwirtschaft. 207.795 Hektar sind ökologische Landwirtschaft.

Das heißt: Eine vergleichsweise geringe Ausweitung der Produktion würde ausreichen, um die Nachfrage innerhalb des Landes zu bedienen.9 Die Studie geht von einem angestrebten Bio-Lebensmittelanteil von 30 Prozent aus. Dieses Ziel stand bereits im Rahmen der Klimaschutzstrategie MV zur Diskussion.10 Im aktuellen Entwurf des inzwischen Klimaanpassungsstrategie genannten Papiers findet sich davon jedoch kein Wort. 11

Was fehlt, ist nicht primär das Angebot, sondern die Struktur, wie ein Beispiel aus der Studie zeigt: Kartoffeln aus Mecklenburg-Vorpommern werden zum Schälen nach Sachsen-Anhalt transportiert, anschließend in Berlin gelagert – und landen erst danach wieder auf einem Teller in MV. Der Grund: Es fehlt an regionalen Verarbeitungsbetrieben.12

Mehr Bio ist möglich – aber nicht ohne politische Unterstützung

Die Studie kommt zu einem klaren Schluss: Mehr Bio in der Gemeinschaftsverpflegung ist machbar. Voraussetzungen sind beispielsweise bessere Förderstrukturen, denn Bio gilt für viele Einrichtungen als zu teuer. Dass dem nicht so sein muss, zeigt der Greifswalder Sachstandsbericht von 2023. Darin werden Küchen aufgezeigt, die frisch vor Ort kochen und ausschließlich Bio-Produkte verwenden – ohne höhere Kosten als bei konventioneller Zentralküchenversorgung.13

  1. AOK (Hg.): So gesund sind Bio-Lebensmittel wirklich, auf: www.aok.de (28.2.2024). 
    ↩︎
  2. Wondra, Jakob; Katz, Nina: Beschaffungsverhältnisse für regional-ökologische Lebensmittel in der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung in Mecklenburg-Vorpommern (2025). 
    ↩︎
  3. Wondra; Katz 2025, S. 22f. 
    ↩︎
  4.  Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (Hg.): Zahlen zum Öko-Landbau in Deutschland, auf: oekolandbau.de (4.8.2025).
    ↩︎
  5. regiovers.inter3.de ↩︎
  6. Wondra; Katz 2025, S. 22. ↩︎
  7. Wondra; Katz 2025, S. 27. ↩︎
  8. Wondra; Katz 2025, S. 28. ↩︎
  9. Wondra; Katz 2025, S. 23. ↩︎
  10. Wondra; Katz 2025, S. 35. ↩︎
  11. Regierung MV (Hg.): Entwurf der Klimaanpassungsstrategie MV, auf: regierung-mv.de (9.3.2026). ↩︎
  12. Wondra; Katz 2025, S. 16.
    ↩︎
  13. Stadt Greifswald (Hg.): Verpflegung in Greifswalder Kindertagesstätten und Schulen. Sachstandsbericht Juni 2023, S. 13.
    ↩︎

Autor:in

  • Tauschte die Berge des Südens gegen das Meer im Nordosten. Wurde im Rostocker Büro liebevoll Katzen-Oma getauft - hat aber keine Katze.

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