Volle Teller für Güstrows Kinder
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Spendensammlung

Volle Teller für Güstrows Kinder

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Über 11.000 Euro konnten durch eine privat organisierte Spendenkampagne für das Projekt Kinder-Mahl-Zeit in Güstrow gesammelt werden. Dort lernen Kinder, gemeinsam gesund zu kochen. Das ist manchmal bitter nötig. Ein Lichtblick aus MV.

Ronald Janda wird von manchen Kindern einfach nur „Herr Koch“ genannt, erzählt er.1 Dabei ist der 60-jährige eigentlich Sozialpädagoge. An fünf Tagen die Woche kocht er mit Kindern zwischen acht und achtzehn Jahren im Projekt Kinder-Mahl-Zeit. Der Name hat dabei eine doppelte Bedeutung, erklärt Jander: „Einerseits heißt es Mahlzeit, weil es ums Essen geht. Andererseits heißt es Mahl-Zeit, weil ich mir mal Zeit nehme für die Kinder.“

„Die Not ist äußerlich nicht erkennbar“

Jeden Morgen kauft der Pädagoge frische Zutaten in einem Laden der Diakonie Güstrow ein. Frisch, biologisch und regional soll es sein. Dann fährt er in eine Schule, einen Hort oder in den Jugendclub und kocht dort mit den Kindern. Für manche seiner Schützlinge ist es die erste richtige Mahlzeit am Tag. „Die tatsächliche Not mancher Kinder ist äußerlich nicht erkennbar“, so Jander. Die Kinder seien nicht verwahrlost, hätten aber keinen Bezug zu gesundem Essen. Das läge an fehlender Zeit, fehlendem Wissen oder fehlenden finanziellen Mitteln der Eltern.

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Lebensmittel für ein Jahr finanziert

Das Projekt Kinder-Mahl-Zeit, das in der Diakonie Güstrow angesiedelt ist, wird komplett durch Spenden finanziert. Um Janders Gehalt, die Lebensmittel, Benzin und Nebenkosten zu bezahlen, braucht es pro Jahr rund 80.000 Euro. Die Lebensmittel allein kosten 6.000 Euro. 

Eine Spendenkampagne hat es jetzt innerhalb weniger Tage geschafft, knapp das Doppelte dieser Summe einzunehmen. Initiiert wurde sie von Richard Jahnke. Letztes Jahr besuchte der gemeinsam mit Arvid Langschwager, dem Präsidenten der Hansa-Stiftung, und Jonas Dirkner, einem Spieler des FCH, die Kinder in Güstrow. Ronald Jander erinnert sich noch daran: „Güstrow ist eine Hansa-Hochburg und die Kinder waren total aufgeregt.“ Jahnke sei beeindruckt gewesen von den Fähigkeiten der Kinder. So beeindruckt, dass er anlässlich seines Geburtstages die Spendenkampagne zur finanziellen Unterstützung des Projekts ins Leben rief. 

Ronald Jander habe nie damit gerechnet, dass so viel Geld auf einmal zusammenkommt, sagt er. Dafür sei er wahnsinnig dankbar. Er plant nun, auch einmal teurere Lebensmittel zu besorgen, die sich viele Kinder ansonsten nicht leisten könnten. Erdbeeren zum Beispiel. Sowieso sei die Auswahl des Essens eine Herausforderung. „Wenn ich die Kinder allein entscheiden lassen würde, gäbe es jedes Mal Nudeln mit Tomatensoße, Fischstäbchen oder Eierkuchen“, scherzt er. Bisher habe die besondere Gruppendynamik und das gemeinsame Kochen allerdings immer dafür gesorgt, dass es allen Kindern geschmeckt hat.  

  1. Telefonat mit Ronald Jander vom 23.2.2026. ↩︎

Autor:in

  • Porträt von Lilly Biedermann Redakteurin Katapult MV in Greifswald

    Redakteurin in Greifswald

    Geboren und aufgewachsen in Sachsen. Ist zum Studieren vom tiefen Osten in den kalten Osten nach Greifswald gezogen.

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