In Poel (Nordwestmecklenburg) wird ein 12-jähriger Junge von Mitschüler:innen rassistisch beleidigt und so massiv geschubst, dass danach Ermittlungen wegen Körperverletzung eingeleitet werden.1 In Greifswald (Vorpommern-Greifswald) wirft eine Gruppe aus Kindern und Jugendlichen rohe Eier auf einen SPD-Stand, ein 18-Jähriger der Gruppe zeigt einen Hitlergruß und äußert sich NS-verherrlichend.2 In einer Berufsschule in Wismar (Nordwestmecklenburg) wird ein junger Mann von einem Mitschüler rassistisch beleidigt und mit Faustschlägen attackiert.3
Das sind nur einige der Fälle, bei denen die Polizei im vergangenen Jahr minderjährige Tatverdächtige ermittelt hat.
Insgesamt, so zeigen die jüngst veröffentlichten Zahlen zur politisch motivierten Kriminalität (PMK), wurden im vergangenen Jahr 2.081 Tatverdächtige politisch motivierter Straftaten ermittelt. Davon waren 751 Kinder und Jugendliche.4 Von diesen sind wiederum 581 Personen dem rechten Phänomenbereich zugeordnet. Innenminister Christian Pegel (SPD) erklärt bei der Vorstellung der Daten in Schwerin: „Diese Altersstruktur zeigt nicht nur eine Verschiebung hin zu jüngeren Tatverdächtigen, sondern auch, wie groß die Gefahr ideologischer Einflüsse ist.” Seine Forderung: „Gerade weil viele Tatverdächtige noch so jung sind, darf Prävention keine Randdebatte sein, sondern muss im Zentrum der gesellschaftlichen Auseinandersetzung stehen und auf mehreren Ebenen ansetzen, von Bildungseinrichtungen bis hin zum sozialen Umfeld.“
Kein neues Problem
Bereits im Jahr 2024 waren 823 der damals insgesamt 2.051 Tatverdächtigen Kinder oder Jugendliche. Der Landesjugendring MV zeigt sich daher in einer aktuellen Pressemitteilung „irritiert“ von der Einordnung Pegels. „Dass das Problem nicht neu ist, zeigt, dass bisher keine ausreichenden Maßnahmen ergriffen wurden. Auch mit Blick auf die aktuellen Zahlen folgen keine konkreten Schritte, [um] der weiteren Radikalisierung junger Menschen entgegenzuwirken.“ Bastian Szesny, Vorstandssprecher des Landesjugendrings, ergänzt: „Rechtsextremismus ist eine Gefahr für das gesunde und sichere Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen.“ Es reiche schon lange nicht mehr, so Szesny weiter, nur „von Prävention zu reden“. Maßnahmen müssten sofort ergriffen werden. Dazu gehören seiner Meinung nach zum Beispiel Projekte der politischen und Medienbildung. Diese müssten „für alle jungen Menschen zugänglich werden“.5
4,5 Prozent mehr Fälle rechter Gewalt
Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 3.360 Fälle politisch motivierter Kriminalität in MV polizeilich registriert – ein Anstieg um 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2024: 3.317). Das sei mit Blick auf den deutlichen Anstieg im Jahr 2024 „jedoch keine Entwarnung“, stellt Pegel klar. Vielmehr verharre man „leider auf einem sehr hohen Niveau von politisch motivierten Straftaten“. Zur Erinnerung: Zwischen 2023 und 2024 gab es einen Anstieg von 74 Prozent, also von 1.902 Fällen im Jahr 2023 auf 3.317 Fälle im Jahr 2024.6
Schon im Jahr 2024 entfielen die meisten Straftaten auf den rechte Phänomenbereich. Hier gab es mit 2.184 erfassten Delikten eine Zunahme von 59,5 Prozent gegenüber 2023. Und auch für 2025 stellten „insbesondere die rechtsmotivierten Straftaten“ Alarmsignale dar, so Pegel. Denn von den 3.360 Fällen sind 2.282 rechts zugeordnet – ein Plus von 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2024: 2.184 Fälle). Es wurden 392 linke Straftaten registriert (2024: 361). Des Weiteren listet die PMK auch Straftaten im Bereich ausländischer Ideologie auf: Hier waren es 26 Fälle (2024:22). 23 Straftaten (2024: 16) fielen in die Kategorie religiöser Ideologie.
Übrigens: Die Aufklärungsquote von politisch motivierter Kriminalität beträgt 45,5 Prozent, auch das zeigt die PMK.
Weiterlesen:
- Lobbi (Hg.): Chronologie, auf: lobbi-mv.de. ↩︎
- NDR (Hg.): Greifswald: Rechte Parolen und Eierwürfe gegen SPD-Wahlkämpfer, auf: ndr.de (24.1.2025). ↩︎
- Lobbi (Hg.): Chronologie, auf: lobbi-mv.de ↩︎
- Ministerium für Inneres und Bau (Hg.): Politisch motivierte Kriminalität bleibt relevant: auf: www.regierung-mv.de (21.4.2026) ↩︎
- E-Mail des Landesjugendrings MV vom 22.4.2026. ↩︎
- Ministerium für Inneres, Bau und Digitalisierung (Hg.): politisch motivierte Kriminalität 2024, auf: www.regierung-mv.de (29.4.2025)
↩︎


