Beim Nordkurier scheint es Nachholbedarf hinsichtlich journalistischer Qualitätsstandards zu geben, denn seit 2020 wurde die Regionalzeitung insgesamt fünfmal vom Deutschen Presserat gerügt.1 Die Gründe hierfür waren Sensationsberichterstattung (zweimal), fehlende Trennung zwischen Werbung und Redaktion, Schutz der Persönlichkeit, mangelnde Wahrhaftigkeit und fehlende Sorgfalt (zweimal) – kurzum Verstöße gegen den Pressekodex. Auffällig ist zudem die ausbleibende kritische Einordnung in der Berichterstattung zur rechtsextremen AfD. Die Regionalzeitung trug des Weiteren dazu bei, die neurechte Zeitung Junge Freiheit zu normalisieren. Denn 2021 veröffentlichte sie ohne kritische Einordnung den Nachdruck eines Interviews aus dem Medium. Während der Coronapandemie war auch eine Nähe zur Querdenkenbewegung sichtbar.2
Grillpilz Gressow gehörte Neonazi Sven Krüger
Auch der aktuelle Fall lässt eine kritische journalistische Einordnung vermissen. So fragte der Nordkurier seine Lesenden nach dem besten Burger in MV.3 Das Ergebnis: Diesen soll es beim ehemaligen Imbiss von Neonazi Sven Krüger geben. Dass der Grillpilz dem Rechtsextremen gehörte, wird im Artikel mit keiner Silbe erwähnt. Ein Anruf bei der Stadt Grevesmühlen und eine einfache Google-Suche bei der Recherche wären ausreichend gewesen. Denn Krüger macht über seine verschiedenen Social-Media-Profile offensiv Werbung für den Grillpilz. Mittlerweile ist die Inhaberin eine Frau H.4 Nach dem Wechsel der Inhaber:innen fand keine Umbenennungen des Imbisses statt. Auch die alten Beiträge, in denen Krüger für den Imbiss wirbt, sind immer noch öffentlich auf der Facebook-Seite des Schnellrestaurants zu sehen. So zuletzt im Juni dieses Jahres.5 Auf Nachfrage bei einem Mitarbeiter vom Imbiss erfuhr KATAPULT MV, dass Krüger weiterhin für das Schnellrestaurant kocht.6 Wann zuletzt, wusste der Mitarbeiter nicht. Probleme in Krügers rechtsextremer Gesinnung sah der Mitarbeiter jedoch nicht.
Die journalistische Sorgfaltspflicht gebietet es, das zu recherchieren und mindestens zu erwähnen. Ohne eine journalistische Einordnung haben solche Artikel, wie der vom Nordkurier, einen werblichen Charakter.
Zur Person Krüger
Krüger ist seit mehr als zwei Jahrzehnten tief in der rechtsextremen Szene verwurzelt. Seine Verbindungen reichen von der Identitären Bewegung7 über Die Heimat (vormals NPD), und den Hammerskins8 bis hin zum internationalen Terrornetzwerk Combat 18.9 Seit Juni 2019 ist der rechtsextreme Unternehmer Gemeindevertreter in Gägelow.10 Bei einer Durchsuchung im September 2023 wurden bei Krüger zahlreiche Patronen, Waffen, Sprengkapseln und Stichwaffen sichergestellt. Demnächst muss er sich deshalb vor Gericht verantworten. Ihm droht eine Bewährungsstrafe wegen Verstößen gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz.11
- Deutscher Presserat (Hg.): Übersicht der Rügen, auf: presserat.de. ↩︎
- Fromm, Anne: Der Gute, der Böse, das Drama, auf: taz.de (8.05.2021). ↩︎
- Markgraf, Ines: Die Frage nach dem besten Burger im Nordosten beantworten viele gleich, auf: nordkurier.de (2.08.2026). ↩︎
- Telefonat mit der Stadt Grevesmühlen am 4.08.2026. ↩︎
- @abrisskrueger: Beitrag vom 1.06.2026, auf: facebook.com. ↩︎
- Telefonat mit einem Mitarbeiter vom Grillpilz Gressow am 5.08.2026. ↩︎
- Fredrich, Benjamin: Neonazis an der Spitze, auf: katapult-mv.de (12.01.2022). ↩︎
- Blöß, Louise: MVs Hammerskins sind wieder erlaubt und bekommen Beschlagnahmtes zurück, auf: katapult-mv.de (10.03.2026). ↩︎
- Krug, Lisa: Dorfchef, Kümmerer, Netzwerker, auf: der-rechte-rand.de (Juli/August 2023). ↩︎
- Stadt Grevesmühlen (Hg.): Gemeindevertretung Gägelow, auf: grevesmuehlen.sitzung-mv.de. ↩︎
- NDR (Hg.): Neonazi aus Jamel droht Bewährungsstrafe, auf: ndr.de (17.06.2026). ↩︎

