Das Innenministerium hat für den 8. Januar zwischen 7 und 17 Uhr landesweit Aktionen an über 30 Anschlussstellen genehmigt. Blockaden sind dabei zwar ausdrücklich untersagt, trotzdem kann es zu Verkehrsbeeinträchtigungen kommen.1
Der Bauernverband MV – eine seit 1991 bestehende und etablierte Interessenvertretung der Landwirt:innen im Bundesland – steht der Aktion allerdings kritisch gegenüber. Man sehe die gesellschaftliche Akzeptanz der Protests gefährdet.2
Mercosur und CO₂-Steuer
Viele Landwirte kritisieren, dass nach Abschluss des geplanten Mercosur-Abkommens landwirtschaftliche Erzeugnisse importiert werden könnten, die unter Bedingungen produziert wurden, die innerhalb Europas nicht zulässig sind. Dazu zählen unter anderem der Einsatz bestimmter Pflanzenschutzmittel, Behandlungen von Tieren oder Genveränderungen. Erst im Dezember haben etwa 11.000 Landwirt:innen in Brüssel gegen das Mercosur-Abkommen und Preisverfall landwirtschaftlicher Erzeugnisse protestiert.3
Weiterhin in der Kritik der Landwirt:innen steht die neue CO₂-Steuer, die seit dem 1. Januar gilt. Die Bundesregierung hatte Anfang 2025 beschlossen, die Steuerlast je erzeugter Tonne Kohlendioxid von 55 auf 65 Euro zu erhöhen. CO₂ entsteht in der Landwirtschaft nicht nur durch Verbrennungsmotoren, sondern auch durch Tierhaltung, Düngemittel, Bodennutzung und entwässerte Moore. Erst Ende 2025 hatte das Greifswald Moor Centrum wissenschaftlich belegt, dass die Emissionen durch entwässerte Moore etwa doppelt so hoch sind wie bislang angenommen.4
Wer steckt hinter den Protesten?
Zu den Protesten aufgerufen haben die Interessenverbände Land schafft Verbindung (LSV) und Freie Bauern.5 Der LSV hat mehrere Landesverbände – auch in MV. Während der Bauernproteste Anfang 2024 stand der LSV Sachsen aufgrund von Verbindungen in die rechtsextreme Szene – unter anderem zur NPD – in der Kritik. Auf der Website des LSV soll auch das Logo der rechtsextremen Kleinstpartei Freie Sachsen zu sehen gewesen sein.6
Auch den Freien Bauern wird eine fehlende Distanzierung nach rechts und die Verbreitung von Falschinformationen und Verschwörungsmythen auf einigen ihrer Veranstaltungen nachgesagt. Bei einer Demo der Initiative im Februar 2024 wurde außerdem einem AfD-Politiker eine Bühne gegeben.7
Einen ähnlich großen Protest gab es in MV zuletzt am 8. Januar 2024. Landesweit blockierten Landwirt:innen Autobahnausfahrten. Auch damals fand eine Unterwanderung von rechts statt.

- Ministerium für Inneres und Bau MV (Hg.): Angemeldete Versammlungen mit mehreren Versammlungsorten am 8. Januar in Mecklenburg-Vorpommern, auf: regierung-mv.de (6.1.2026). ↩︎
- @Bauernverband MV: Beitrag vom 5.1.2025, auf: whatsapp.com. ↩︎
- Agrarheute (Hg.): Bauernproteste in Europa: Landwirte demonstrieren gegen Mercosur und Ramschpreise, auf: agrarheute.com. ↩︎
- Greifswald Moor Centrum (Hg.): Europaweite Moor-Emission doppelt so hoch wie geschätzt: Hotspot-Karte zeigt, wo Schutz und Wiedervernässung besonders wirksam sind, auf: uni-greifswald.de (12.12.2025).
↩︎ - @LSV-MV e.V.: Beitrag vom 30.12.2025, auf: t.me. ↩︎
- MDR (Hg.): Wer steht hinter der Vereinigung „Land schafft Verbindung“?, auf: mdr.de (16.1.2024). ↩︎
- Taz (Hg.): Neue „Freie Bauern“-Sprecherin gegen die Wahrheit, auf: taz.de (19.9.2025). ↩︎

