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Land der Tiere

Von schlafenden Schweinen und schmusigen Puten

Früher Militärstützpunkt, heute Lebenshof: Das Land der Tiere in Vellahn (Ludwigslust-Parchim) bietet über 200 Tieren, die zu großen Teilen aus industrieller Haltung kommen, ein friedliches Zuhause. Gleichzeitig möchte das Team Aufklärung betreiben und ein Bewusstsein für Tierwohl schaffen. KATAPULT MV hat einen Tag auf dem Hof begleitet, der sich komplett durch Spenden trägt.
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Auf einer Fläche von etwa 18 Fußballfeldern in der Nähe von Boizenburg betrieb die Funktechnische Kompanie 433 der Nationalen Volksarmee (NVA) bis zum Ende der Achtzigerjahre ihren Stützpunkt. Mit etlichen Baracken und Bunkeranlagen – abgeschirmt von Stacheldraht. Mittlerweile ist der ehemalige Militärstützpunkt bei Vellahn ein Zuhause für über 200 Schweine, Ziegen, Kaninchen, Hühner, Schafe, Puten, Meerschweinchen, Schildkröten, Hunde, Bartagamen und Katzen. Ein Tierheim ist das Land der Tiere (LdT) aber nicht. Es versteht sich als Lebensort, an dem Tiere ohne jegliche Nutzung so frei und selbstbestimmt leben können wie möglich, erklärt Pressereferentin Tanja an einem verregneten Julimorgen um kurz vor sieben. Gleich soll die Morgenversorgung beginnen: Füttern, Kontrollieren, Saubermachen, Schmusen.

Für alle Gäste im Land der Tiere gilt: Schuhe desinfizieren. So soll die Übertragung von Krankheiten und Parasiten verhindert werden.

Tanja gehört seit etwa fünf Jahren zum LdT-Team und kümmert sich um Presse, Social Media und Führungen. Heute sind mit ihr unter anderem Bianca, Katharina, Elli, Moritz und eine weitere Tanja unterwegs. Letztere hat das Land der Tiere mitgegründet. Vor elf Jahren hatte sie nach langer Suche in ganz Deutschland gemeinsam mit ihrem Mitstreiter Jürgen das Areal gefunden und war sich auf Anhieb sicher: „Das ist der richtige Ort.“ Überzeugt habe sie die Größe, die Lage und die vorhandene Infrastruktur.

V.l.n.r.: Pressereferentin Tanja, Katharina, Gründerin Tanja, Elli und Bianca kommen nach der ersten Morgenversorgung zusammen und besprechen den weiteren Tag.

Mit Eigenmitteln und Unterstützung einer Stiftung konnte das Gelände gekauft und hergerichtet werden. Nach und nach zogen Tiere ein: Ferkel, die einen Autounfall überlebt hatten, Kaninchen aus Mastanlagen, Hühner aus Massentierhaltung oder Ziegen aus Streichelzoos. Das LdT-Team besteht aus knapp 20 Angestellten und einer Vielzahl ehrenamtlicher Helfer:innen, die die Namen von allen Bewohnern kennen: von Pü dem Truthahn, Spornschildkröte Sahel, Wildschwein Pippa oder Perlhuhn Calimero. Zu allen Tieren gibt es auf der Website oder im jährlich erscheinenden Tätigkeitsbericht umfangreiche Informationen über Herkunft, Schicksal oder Charakter. Transparenz ist im Land der Tiere wichtig, denn ohne Spenden und Tierpatenschaften könnte der Ort nicht existieren. Allein für die Versorgung der Tiere werden monatlich etwa 30.000 Euro benötigt. Unterhaltungskosten der Gebäude und Infrastruktur nicht eingerechnet.

Früher Bunker, heute Zuhause für die Minischweine Lilli und Eddie. Gegen Mittag dürfen auch sie frei über das Gelände laufen – wenn die Schnecken eine Chance hatten, sich vor der Mittagssonne und den Schweinenasen zu verstecken.

Täglich erreichen den Hof Anfragen für neue Aufnahmen. Auch mal Ungewöhnliches wie Strauße, Schlangen oder Waschbären. Mitgründerin Tanja berichtet von einer Anfrage, in der es um die Aufnahme von etwa 1.000 Weinbergschnecken ging. Nach einigem Hin und Her hat sich das Team aber dagegen entschieden, denn die Schnecken wären wahrscheinlich leicht zur Speise für die Schweine geworden. Das hätte der obersten LdT-Priorität widersprochen: Veganismus. Aufgenommen werden nämlich nur Tiere, die vegan ernährt werden können. Große Weidetiere wie Pferde, Esel oder Kühe gehören aktuell aber nicht dazu – dafür sind die vorhandenen Weideflächen nicht groß genug.
Pressereferentin Tanja erklärt, dass es im Land der Tiere auf eine Balance von Tierbedürfnissen und Finanzierung ankomme. Um darüber zu informieren, setzt das LdT auf die Sozialen Medien. Zusätzlich schafft das Team auf dem Hof Bildungsangebote und klärt über industrielle Tierhaltung auf. Auch vegane Kochkurse finden regelmäßig statt.

Bianca gibt Wildschwein Pippa Bananen. Ein nahegelegener Supermarkt spendet regelmäßig übriggebliebenes Obst, Gemüse und Brot.

Und wie sieht die Zukunft aus? LdT-Mitgründerin Tanja sagt: „Unser Ziel wäre es eigentlich, uns abzuschaffen.“ Aber bis es so weit ist, sei noch eine Menge Aufklärungsarbeit nötig. So lange möchte man sich auf dem ehemaligen Militärstützpunkt auf die Tiere konzentrieren, die gerettet werden konnten. Und aufs Schmusen.200

Putenhenne Jasmin genießt die Streicheleinheiten von Tanja, die vor ihrer Zeit im Land der Tiere in Tierheimen gearbeitet hat.
Gründerin Tanja und Mitarbeiter Moritz im Meerschweinchenhaus. Hier leben aktuell knapp 20 Tiere. Damit das so bleibt, werden alle Männchen kastriert, wenn sie auf den Hof kommen.
Bianca hat Gummibälle mit Futter gefüllt, um die Ziegen zu beschäftigen. Die zeigen sich heute aber zurückhaltend: „Ziegen hassen Regen“, erklärt sie.
Gegen Mittag schaut Pressereferentin Tanja in einem der Schweinebunker vorbei. Während sie Fotos und Videos für die Onlinekanäle macht, halten die Schweine Mittagsschlaf.
Katharina ist nach ihrem Bundesfreiwilligendienst auf dem Hof geblieben. Mittlerweile ist sie Schildkrötenexpertin und kümmert sich um die Afrikanischen und Europäischen Landschildkröten, für die es mehrere Anlagen gibt.
In die ehemalige Kommandozentrale der Funkkompanie sind die Schafe eingezogen. Die Herde bewegt sich frei auf dem gesamten Gelände.
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Autor:in

  • Chefredakteur

    Geboren in Vorpommern, aufgewachsen in Mecklenburg. Einziger KATAPULT-Redakteur mit Traktorführerschein UND Fischereierlaubnis.

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