Mit Sprechchören, wie „Bachelor, Master, arbeitslos“ und „Keine Finanzierung, keine Therapie“, machten gestern Nachmittag rund 200 Psychologiestudierende auf dem Greifswalder Marktplatz auf sich aufmerksam. Sie demonstrierten für eine nachhaltige Reform ihres Studiengangs. Insbesondere fordern sie eine ausreichende Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung, um langfristig die psychotherapeutische Versorgung von Patient:innen sicherzustellen.
Zukunft der psychotherapeutischen Versorgung in MV gefährdet
Die Greifswalder Protestierenden schlossen sich mit der Demonstration den bundesweiten Protesten in anderen deutschen Städten an. Diese hatten sich nach einem Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses (EBA) Mitte März formiert. Dieser hatte unter anderem beschlossen, die Honorare für psychotherapeutische Leistungen zum 1. April um 4,5 Prozent zu senken.1 Neben den prekären Ausbildungsbedingungen befürchten die Demonstrierenden durch die Sparpolitik massive Folgen für die psychische Gesundheitsversorgung in der Bevölkerung. So würden Kassenpatient:innen aufgrund der schlechten Versorgungslage heutzutage teilweise mehrere Monate bis Jahre auf einen Therapieplatz warten. Insbesondere im ländlichen Raum seien längere Wartezeiten möglich.
Der Nachwuchsmangel in der psychotherapeutischen Versorgung sei bereits spürbar, heißt es vonseiten der Protestierenden. Hinzu kämen die Lücken, die durch das rentenbedingte Ausscheiden vieler Therapeut:innen in den kommenden Jahren drohen. Zusätzliche Belastungen, wie die Honorarkürzung, würden die Situation noch verschärfen. Zudem besteht die Sorge, dass für bereits Approbierte und kommende Studierende des neuen Ausbildungssystems der Berufswunsch blockiert wird, da das alte System 2032 endgültig ausläuft. Reden von betroffenen Studierenden, langjährigen Psychotherapeut:innen sowie eines Patienten unterstrichen den Ernst der Lage.
Rechtsextremist stört Demonstration mit Zwischenruf
Mitten während einer Rede störte ein Passant, der sich als Rechtsextremist entpuppte, die Demonstration. Mit seinem Hund an der Leine ging er an der Versammlung vorbei und schrie lauthals „Heil Höcke!“. Die Versammlung verstummte kurzzeitig. Die Menschen sahen sich um. Zwei Studierende folgten dem Höcke-Fan und stellten ihn zur Rede. Dieser schilderte, dass man gegen eine linke Demonstration etwas unternehmen müsse. Die beiden Studierenden sagten dem jungen Mann, mit dem auffälligen Tattoo am Hals, dass es sich nicht um eine linke Demo handele, und schilderten das Anliegen der angehenden Psychotherapeut:innen. „Ich glaube nicht, dass Höcke diese Demo gutheißen würde, deswegen stelle ich mich dagegen“, sagte der etwa 20-Jährige. Trotz des Gesprächs blieb der junge Mann bei seiner Haltung und schilderte euphorisch, dass er den faschistischen AfD-Politiker Björn Höcke bald wiedersehen würde. Die Wege der drei Männer trennten sich friedlich. Währenddessen ging die Demonstration mit weiteren Redner:innen ungestört weiter.
- Deutsches Ärzteblatt (Hg.): Psychotherapeuten demonstrieren erneut vor dem Bundestag gegen Honorarkürzungen, auf: aerzteblatt.de (8.6.2026). ↩︎

