Auf der Kachel sieht man, welche Politiker:innen in der aktuellen Wahlperiode die AfD-Fraktion in der Bürgerschaft oder gleich die ganze Partei verlassen haben und welche noch weiter in der Rostocker Bürgerschaft sitzen. Stand ist der 8. Juni 2026. Noch Mitglied sind: Marcel Ehlert, Stefanie Glamann, Michael Meister, Helmut Schulz und Falko Zorn. Die Fraktion und/oder die AfD verlassen haben Anna Ehlert, Tilmann Lamberg, Toni Marten, Nils-Ole Rosengart, Sven Sydow.
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Schon wieder verlässt ein Mitglied die AfD-Fraktion

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Toni Marten, bislang AfD Fraktionsvorsitzender in der Rostocker Bürgerschaft, verlässt die Partei. Er ist bereits der vierte Politiker, der die Fraktion in der aktuellen Wahlperiode verlässt. Und auch die Jahre zuvor sah es nicht besser aus. Wir lassen die Querelen der vergangenen Jahre nochmal Revue passieren. 

2014 zog die AfD erstmals in die Rostocker Bürgerschaft ein. Mit 4,4 Prozent der Stimmen erhielt die Partei zwei Sitze.1 Eigentlich ist eine Wahlperiode fünf Jahre lang — doch schon kurz nach der Wahl verließ das damalige Mitglied Christoph Basedow das Ratsrund.2  Er war als Spitzenkandidat der AfD angetreten. Im Oktober 2014 verzichtete er auf sein Mandat, für ihn rückte die Unternehmerin Sonja Schweinitz in die Rostocker Bürgerschaft nach.3

Zuvor, im September 2014, hatte die Rostocker Staatsanwaltschaft Anklage wegen Volksverhetzung gegen Holger Arppe erhoben, der das zweite Mandat für die Rostocker Bürgerschaft innehatte.4

Mehrere AfDler, darunter die Vorsitzenden der Kreisverbände Rostock, Jens-Volker Kronisch, Vorpommern-Greifswald, Stefanie Voigt, und Vorpommern-Rügen, Peter Knorr, traten daraufhin zurück — und Basedow verzichtete auf sein Mandat.5 

Der Fall Holger Arppe


Im Dezember 2025 wurde Holger Arppe zu einer Geldstrafe in Höhe von 9000 Euro verurteilt, da das Landgericht Rostock es als erwiesen ansah, dass er unter einem Pseudonym auf einem Internetportal einen Beitrag geschrieben hat, der Muslime herabwürdigt und zum Hass anstachelt.

Fraktionsstatus schon 2019 verloren

In der darauffolgenden Wahlperiode von 2019 bis 2024 konnte die AfD mit 9,6 Prozent der Stimmen fünf Sitze gewinnen.6 Lange hielt die Fraktion jedoch nicht zusammen: Im Dezember 2019 schlossen sich Peter Massel und Marc Hannemann der Fraktion Rostocker Bund/Freie Wähler an.7 Hannemann wurde aus der Fraktion ausgeschlossen, weil es Diskussionen über seine frühere angebliche NPD-Mitgliedschaft gab.8 Warum Massel wechselte, ist nicht bekannt. Da beide weiterhin in der Bürgerschaft blieben, konnte die AfD die Sitze nicht durch Nachrücker ersetzen und verlor damit ihren Fraktionsstatus, für den mindestens vier Mitglieder nötig sind.9 

Im September 2020 verließ schließlich auch Burkhard Rhode die Fraktion. Gegenüber der Ostseezeitung äußerte er, dass er sich künftig verstärkt um die Expansion seines Unternehmens kümmern wolle.10 Für ihn rückte Iris Drenkhahn nach, die jedoch bereits im März 2021 aus der AfD austrat.11 Sie war die letzte aus der ursprünglich acht Personen umfassenden AfD-Liste zur Bürgerschaftswahl 2019, auf die für mögliche Nachrücker zurückgegriffen werden kann. Somit blieben die Sitze leer und die AfD-Fraktion bestand noch aus zwei Mitgliedern: Thomas Koch und Stefan Treichel.

2024 stärkste Kraft – aber erneut Zerfall 

Bei der Bürgerschaftswahl 2024 wurde die AfD mit 17,5 Prozent der Stimmen und neun Sitzen stärkste Kraft in der Rostocker Bürgerschaft.12 Doch auch in dieser Wahlperiode konnte die Partei ihre Sitze nicht halten. Zunächst legte, noch vor der konstituierenden Sitzung, Anna Ehlert ihr Mandat nieder, Sven Sydow rückte nach.13

Dieser trat im November 2025 gemeinsam mit Nils-Ole Rosengart sowie AfD-Fraktionschef Tilmann Lamberg aus der Fraktion  – und der Partei – aus. Laut NDR-Recherchen habe die Fraktion prüfen lassen, ob die drei Bürgerschaftsmitglieder sowie die Ehefrau des Fraktionsvorsitzenden Lamberg rechtswidrig in der Geschäftsstelle beschäftigt worden seien.14 Anschließend seien Kündigungen erfolgt. Lamberg sprach auf Nachfrage davon, dass diese zu Unrecht ausgesprochen worden seien.

Zudem habe es laut den drei Ausgetretenen Verleumdungen innerhalb der Fraktion gegeben. In einem Schreiben an Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Linke) beschrieb ein weiteres AfD-Mitglied die Zustände in der Geschäftsstelle als „Vetternwirtschaft“.

Die Drei schlossen sich Ende November 2025 mit Lajos Orban, der Parteimitglied des BSW blieb, zur neuen Rostocker Hansefraktion – vernünftig, sozial, gerecht zusammen.15

Die Konsequenz: Statt neun Sitzen verfügte die AfD nur noch über sechs Mandate in der Bürgerschaft. 

Warum geht Toni Marten?

Jüngster Rücktritt ist nun Toni Marten, der zwischenzeitlich den Fraktionsvorsitz der Rostocker AfD-Fraktion übernommen hatte. Auch er verlässt die Partei, wie er vergangenen Mittwoch mitteilte.16 

Die AfD wollte Marten kürzlich wegen parteischädigendem Verhalten ausschließen, weil er Anzeige gegen das Zustandekommen der Landesliste zur Wahl kritisiert hatte.17 Er war zuvor bei der Bewerbung um Listenplatz 21 gegen Petra Federau gescheitert und nur noch Direktkandidat. Der Parteispitze warf Marten daraufhin Vetternwirtschaft bei der Aufstellung der Bewerberliste vor, auch weil der AfD-Kreisverband Rostock bei der Kandidatenwahl komplett leer ausgegangen war.18

Das sei laut Marten jedoch nicht der eigentliche Grund für seinen Austritt gewesen.19 Vielmehr, so Marten in Medienberichten, seien es die „zunehmende rechte Tendenzen” im Umfeld des Landesverbandes. So hätte sich eine AfD-interne Chatgruppe dazu verabredet, Schweineköpfe  vor eine Moschee zu legen, um den Gläubigen dort zu zeigen, dass sie unerwünscht seien.20 Es gebe, so Marten, „eine politische Duldung oder Einbindung von Personen, deren Auftreten und Umfeld für mich mit einem konservativen, rechtsstaatlichen und christlichen Verständnis nicht vereinbar sind“.21

Auch die Wahl von Dario Seifert zum neuen Generalsekretär habe ihn zu diesem Schritt bewogen. Seifert war von 2012 bis 2014 Mitglied der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten und soll zudem enge Kontakte zu Nationalen Sozialisten Rostock – einer rechtsextremen Kameradschaft – gepflegt haben. „Das ist etwas, das ich meinen Wählern nicht vermitteln kann und nicht mittrage“, so Marten.22 Laut NDR möchte Marten weiterhin in der Bürgerschaft bleiben, jedoch Partei und Fraktion wechseln. Wohin, ließ er offen.23

  1.  Hansestadt Rostock (Hg.): Vorläufiges Ergebnis der Bürgerschaftswahl 2014 in der Hansestadt Rostock, auf: rathaus.rostock.de  (26.5.2014). 
    ↩︎
  2. Behm, Thomas: Auf rechtem Kurs? Die Alternative für Deutschland in Mecklenburg-Vorpommern, in: Friedrich-Ebert-Stiftung (Hg.): Weiterdenken: Diskussionsimpulse des Landesbüros MV der Friedrich-Ebert-Stiftung, S. 7 (2.2015). ↩︎
  3. Ebd. ↩︎
  4. Reißenweber, Uwe: AfD-Politiker Arppe wegen Volksverhetzung verurteilt, auf: nordkurier.de (14.5.2026). ↩︎
  5. Behm, 2015, S.7. ↩︎
  6. Hansestadt Rostock (Hg.): Bürgerschaftswahl, auf: rathaus.rostock.de (26.5.2019). ↩︎
  7. ↩︎
  8. Ebd. ↩︎
  9.  Hansestadt Rostock (Hg.): Bürgerschaft, auf: rathaus.rostock.de. ↩︎
  10. OZ (Hg.): Darum verlässt AfD-Mann Burkhard Rohde Rostocker Bürgerschaft und Warnemünder Ortsbeirat, auf: ostsee-zeitung.de (15.10.2020). 
    ↩︎
  11. Büssem, Axel: AfD in der Rostocker Bürgerschaft zerlegt sich weiter: Nächstes Mitglied ausgetreten, auf: ostseezeitung.de (24.03.2021). ↩︎
  12. Kindler, Antje; Griesbach, Jens:  AfD stärkste Kraft: So setzt sich die neue Rostocker Bürgerschaft zusammen, auf: nordkurier.de (10.6.2024).  ↩︎
  13. Rostock-heute (Hg.): Neue Rostocker Bürgerschaft hat sich konstituiert, auf: rostock-heute.de (17.7.2026.)
    ↩︎
  14. NDR (Hg.): Parteiaustritte: AfD-Fraktion in Rostocker Bürgerschaft schrumpft, auf: ndr.de (19.11.2025). ↩︎
  15. NDR (Hg.): Nach AfD-Austritt: Neue Fraktion in Rostocks Bürgschaft, auf: ndr.de (14.12.2025). ↩︎
  16. Pubantz, Frank: “Rechtsextreme Tendenzen”: Bundeswehrsoldat und Chef der Stadtfraktion tritt aus AfD aus, auf: nordkurier.de (4.6.2026). ↩︎
  17.  Pubantz, Frank: Partei-Rauswurf droht: AfD in MV stellt kritischen Landtagskandidaten kalt, auf: nordkurier.de (5.5.2025). ↩︎
  18.  Ludmann, Stefan: AfD Mecklenburg-Vorpommern: Neuer Streit um Posten und Personal, auf: ndr.de (17.2.2026). ↩︎
  19. Labude-Gericke, Claudia: Rostocker AfD-Fraktionschef schmeißt hin: Zum Abschied rechnet er mit seiner Partei ab, auf: ostsee-zeitung.de (4.6.2026). ↩︎
  20.  NDR (Hg.): Austritt von Rostocker AfD-Fraktionschef: Mitglieder wollten Schweineköpfe vor Moschee legen, auf: ndr.de (5.6.2026). ↩︎
  21. Labude-Gericke, 2026. ↩︎
  22. Ebd. ↩︎
  23. NDR, 2026. ↩︎

Autor:in

  • Redakteurin in Rostock

    Tauschte die Berge des Südens gegen das Meer im Nordosten. Wurde im Rostocker Büro liebevoll Katzen-Oma getauft - hat aber keine Katze.

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