Von gratis Menstruationsprodukten bis zu besseren Bedingungen für Inklusion: Schüler:innen in Mecklenburg-Vorpommern haben Forderungen – und bringen diese in den Kreis- und Stadtschüler:innenräten in MV vor. Es sind wichtige Gremien, um in der Schulpolitik nicht nur zuzuschauen. Doch die finanzielle Unterstützung der Jugendlichen fällt ziemlich unterschiedlich aus. Und manchmal ist gar nicht klar, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt.
Kostenlose Menstruationsprodukte, kostenlose Schüler:innentickets, mehr Digitalisierung.1 Diese Forderungen gab es im vergangenen Jahr vom Kreisschülerrat des Landkreises Rostock. Genau dafür gibt es in den acht Stadt- und Landkreisen MVs diese Räte: Zur Vertretung der Interessen von Schüler:innen, damit diese mitreden, mitgestalten – und auch mal unbequem sein können.
Erwarten, nicht erbitten
Wie ernst die Schüler:innen ihre Rolle nehmen, machte der neue Vorsitzende des Landesschüler:innenrates, Felix Wizowsky, bei seiner Wiederwahl im Dezember deutlich: „Wir erwarten, nicht erbitten, dass wir in alle Entscheidungen einbezogen werden, die das Thema Schule betreffen. Bildung kann nur erfolgreich gestaltet werden, wenn diejenigen gehört werden, die sie täglich erleben.“2
Was sind Kreis- und Stadtschüler:innenräte?
In den Räten sitzen gewählte Schüler:innen verschiedener Schulen zusammen. Sie tauschen sich aus, entwickeln Ideen und vertreten die Interessen von Kindern und Jugendlichen gegenüber Politik und Verwaltung. Dabei geht es um alles, was den Schulalltag betrifft: Ausstattung, Mitbestimmung, Unterrichtsbedingungen oder die Frage, wie Schule besser funktionieren kann.
Die jeweiligen Vorstände vertreten die Schüler:innenräte nach außen. Delegierte aus den Kreis- und Stadtschülerräten bilden außerdem gemeinsam den Landesschülerrat MV – die landesweite Stimme der Schüler:innen. Auch dort gibt es einen Vorstand.
Klare Worte – und ein deutliches Signal an Politik und Verwaltung: Schüler:innen wollen nicht nur angehört werden, sondern mitentscheiden.
So unterschiedlich fällt die Unterstützung aus
Doch um mitzuentscheiden, sind in manchen Landkreisen lange Anfahrtswege nötig. Räume müssen gemietet werden, Material gedruckt. Dafür stehen den Rät:innen ganz unterschiedliche finanzielle Mittel zur Verfügung.
Der Landkreis Rostock stellt seinem Kreisschülerrat jährlich 3.000 Euro zur Verfügung, die Stadt Rostock 1.000 Euro. In Ludwigslust-Parchim sind 1.500 Euro eingeplant. Dem Kreisschülerrat Vorpommern-Greifswald stehen für das Haushaltsjahr 2026/2027 „Mittel in Höhe von 4.500 Euro jährlich“ zur Verfügung.3 Mit dem Geld werden unter anderem Fahrtkosten zu Sitzungen bezahlt oder Mieten übernommen.
In Nordwestmecklenburg läuft es dagegen etwas anders. Dort können notwendige Reisen direkt über den Landkreis abgerechnet werden, teilt Pressesprecher Tore Degenkolbe mit.4 Für die vergangenen Jahre wurden dafür „mehrere Hundert Euro“ eingeplant. Ein frei verfügbares Budget – etwa für Öffentlichkeitsarbeit – gibt es allerdings nicht. Laut Degenkolbe lagen die Auszahlungen für 2023 und 2024 zusammen bei 579,60 Euro.
Auch die Stadt Schwerin setzt lieber auf Unterstützung statt auf ein eigenes Budget. Nach Angaben der Pressestelle brauche es „im Einvernehmen mit dem Stadtschülerrat kein frei verfügbares finanzielles Budget“. Stattdessen unterstütze die Stadt etwa beim Webauftritt, mit Räumen oder digitalen Tools.5
Wenn man von der Unterstützung nichts weiß
Und dann ist da noch Vorpommern-Rügen. Im März dieses Jahres brachten die Kreistagsfraktionen Bündnis 90/Die Grünen/Die Partei, CDU, SPD und Die Linke einen Antrag ein: Der Kreisschüler:innenrat solle finanziell besser ausgestattet werden.6 Hintergrund sei ein Gespräch mit dem Rat gewesen, erklärt Marlen Schulz, Geschäftsführerin der Fraktion Die Grünen/Die Partei.7 Darin hätten die Schüler:innen den Wunsch nach mehr Unterstützung geäußert. Der Antrag wurde beschlossen – die AfD stimmte dagegen.
Doch kurz darauf stellte sich heraus: Ein Budget für den Kreisschüler:innenrat existierte bereits seit Jahren. „Es waren wohl mal 5.000 Euro, die dann auf 1.000 Euro reduziert wurden, weil die Mittel nie abgerufen wurden“, sagt Schulz. Das Problem: Viele der Schüler:innen wussten offenbar gar nichts von der bestehenden Unterstützung.
Auch die Kreisverwaltung bestätigt auf Anfrage, dass seit 2015 Gelder eingeplant werden. Für das Haushaltsjahr 2026 seien erneut 1.000 Euro vorgesehen.8
Für Schulz zeigt der Fall vor allem ein strukturelles Problem. Weil die Zusammensetzung der Schüler:innenräte häufig wechsle, brauche es feste Ansprechpartner:innen und verlässliche Strukturen in der Verwaltung. Deshalb brachte ihre Fraktion zuletzt einen weiteren Antrag ein, der genau das schaffen soll. Dieser wurde zunächst in den Bildungsausschuss verwiesen.
Viel Mitbestimmung – aber reicht das?
Klar ist: Schüler:innenräte sollen jungen Menschen ermöglichen, Schule aktiv mitzugestalten. Doch Mitbestimmung funktioniert nur, wenn sie nicht am Geld scheitert – oder an Informationen.
Denn wer junge Menschen ernsthaft beteiligen will, sollte ihnen nicht nur zuhören, sondern ihnen auch die Mittel geben, tatsächlich etwas bewegen zu können.
Weiterlesen:
- Idee der inklusiven Schule scheitert an Personalmangel | KATAPULT MV
- Wie ist MVs Bildungssystem aufgestellt? | KATAPULT MV
Quellen:
- NDR (Hg.): Schülerrat des Landkreises Rostock fordert kostenlose Periodenproukte, auf: nrd.de (27.5.2025). ↩︎
- Landesschülerrat Mecklenburg-Vorpommern (Hg.): Klare Erwartungen an Politik, auf: landesschuelerrat-mv.de (14.12.2025). ↩︎
- E-Mail von Florian Stahlkopf, Pressesprecher Landkreis Vorpommern-Greifswald, vom 1.4.2026. ↩︎
- E-Mail von Tore Degenkolbe, Pressesprecher des Landrates Nordwestmecklenburg, vom 1.4.2026. ↩︎
- E-Mail von Ulrike Auge, Markenkoordinatorin Stadt Schwerin, vom 31.3.2026.
↩︎ - Kreistagsfraktionen Bündnis90/Die Grünen/Die Partei, CDU, SPD, Die Linke (Hg.): „Einstellung von finanziellen Mitteln für die Arbeit des Kreisschülerrates“, auf: ris.kreis-vr.de (23.3.2026).
↩︎ - Telefonat mit Marlen Schulz, Geschäftsführerin Fraktion Die Grünen + Die Partei im Kreistag, vom 21.5.2026.
↩︎ - E-Mail von Mandy Klemm, Pressesprecherin Landkreis Vorpommern-Rügen, vom 12.5.2026. ↩︎

