Die Kachel zeigt Fotos von zwei Demonstrationen in Schwerin am 14.02. Einmal die Tanzdemo One Billion Rising und einmal die Prüf-Demonstration der Prüf!-Fans-MV.
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Demonstrationen in Schwerin

Tanzen gegen Gewalt, Demonstrieren für ein Prüfverfahren

Zum Valentinstag fanden in der Landeshauptstadt gleich zwei Aktionen statt, um laut und friedlich ein Zeichen zu setzen: zum einen für die Demokratie, zum anderen gegen Gewalt. KATAPULT MV berichtet von der Demo der Prüf!-Fans und One Billion Rising in Schwerin.
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Eine ausgelassene Stimmung herrschte auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs, wo ungefähr 150 Menschen aller Altersgruppen zusammenkamen. Bereits zum vierten Mal wurde die monatliche Aktion der Prüf!-Fans MV veranstaltet. Hintergrund sind die bundesweit organisierten Prüf-Demonstrationen, die eine generelle Überprüfung rechtsextremer Parteien oder Verdachtsfälle durch das Verfassungsgericht fordern.

Die Teilnehmer bei der Prüf Demo am 14.2 in Schwerin.
Trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt kam in der Spitze 150 Menschen zusammen.

Einhörner für die Demokratie

Die Kundgebung in Schwerin war geprägt von kurzen, kreativen Redebeiträgen sowie Live-Musik, hauptsächlich aber von einer regen Interaktion unter den Teilnehmenden mit Dialog und Bewegungsspielen. Zwischen herzförmigen Schildern tanzten Einhörner und Katzen; neben mehrsprachigen Ausgaben des Grundgesetzes wurden bunte Aufkleber, Stempel und Tee an alle „Demokratieunterstützer:innen“ verteilt. „Ich war noch nie auf so lustigen Demos, auf denen alle einbezogen werden!“, schwärmte Elisabeth aus Groß Krams von dem positiven Ansatz der Kundgebungen, an denen sie schon mehrfach teilnahm. Dieser sei ganz bewusst so gestaltet, erklärte Janine vom Organisationsteam der Prüf!-Fans, die auf der Bühne die Moderation übernimmt. „Wir wollen es anders machen als andere und merken, dass die Leute so einen Ort dringend brauchen.“ Besonders – aber nicht nur – im Hinblick auf die anstehende Landtagswahl in MV.

Das Bild zeigt zwei Einhörner bei der Prüf-Demo in Schwerin.
Die beiden Einhörner machten sich während der Demonstration einen Prüfantrag. Symbolisch stellen sie damit ein Ja der Landesregierung zum verfassungsrechtlichen Prüfantrag, dem Ziel ihrer Demonstration, dar.

Heute, am Valentinstag und dem Tag des Kondoms, fragte Janine in die Menge: „Warum schützen wir unsere Demokratie nicht genauso wie unser Liebesleben?!“ Für die Präservative gäbe es in Deutschland schließlich sehr strenge Prüfverfahren und Qualitätssiegel, um Sicherheit zu gewährleisten.

Die Demonstrierenden stützen sich besonders auf Artikel 21 des Grundgesetzes, der die „freiheitliche demokratische Grundordnung“ vor allen Parteien schützen soll, die eben jene gefährden oder beeinträchtigen – und somit verfassungswidrig sind. Die gemeinsame Forderung ist demnach eine Prüfung des Bundesverfassungsgerichts auf Verfassungstreue.

Schwerin noch nicht offiziell Prüf-Demo

Die Prüf-Demonstrationen wurden ursprünglich vom Kabarettisten und Politiker Nico Semsrott (parteilos) in Hamburg initiiert und müssen bestimmte Richtlinien einhalten. Beispielsweise sollen die Veranstaltungen parteiübergreifend organisiert sein und dürfen somit nicht von Parteimitgliedern instrumentalisiert werden. Außerdem braucht es für eine offizielle Prüf-Demonstration aktive Kulturschaffende, die öffentlich Gesicht zeigen für die Aktion – eine Vorgabe, an der die Demos in Mecklenburg-Vorpommern bislang noch scheitern, weshalb momentan noch von Prüf-Fans die Rede ist.

Dreißig Tänzer:innen gegen Gewalt

Ein paar hundert Meter entfernt tanzten rund dreißig Teilnehmende auf der Mecklenburger Straße, um friedlich ihrer Solidarität gegenüber von gewaltbetroffenen Frauen und Mädchen Ausdruck zu verleihen. Wegen technischer Probleme allerdings ohne musikalische Unterstützung. Seit 2014 gibt es die weltweite Aktion One Billion Rising auch in Schwerin.

Das Bild zeigt die Tänzer:innen von One Billion Rising in Schwerin.
Eigentlich würden sie zu dem Lied „Women on Fire – Ni una menos“ tanzen, aber wegen technischer Probleme bleibt es während der Aktion still.

Etwa jede dritte Frau weltweit hat bereits Gewalt erlebt Gewalt, berichtet Liane Dommer vom Frauenhaus der Awo Schwerin. Allein in der Landeshauptstadt wurden im letzten Jahr 631 Betroffene in Beratungsstellen betreut – und das seien auch nur diejenigen, die den Mut aufgebracht haben, sich Hilfe zu suchen, betont Dommer.

Das Bild zeigt Liane Dommer, Chefin des Frauenhauses Schwerin bei One Billion Rising.
Liane Dommer vom Frauenhaus in Schwerin betonte die Wichtigkeit von One Billion Rising, um Sichtbarkeit für Betroffene von Gewalt zu schaffen und sich mit ihnen zu solidarisieren.

Weiterlesen: One Billion Rising in MV

Autor:innen

  • Porträt von Lilly Biedermann Redakteurin Katapult MV in Greifswald

    Redakteurin in Greifswald

    Geboren und aufgewachsen in Sachsen. Ist zum Studieren vom tiefen Osten in den kalten Osten nach Greifswald gezogen.

  • Redakteur in Rostock

    An der Küste MVs aufgewachsen und wieder angekommen; feiert Wind- und Wetterfeste, wie sie fallen. Dazwischen Anthropologe und Kulturaktivist.

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