Die Grafik zeigt ein Foto des rechtsextremen Gegenprotests zum CSD in Grevesmühlen am 13. September. Als Überschrift steht: Wer marschierte gegen den CSD in Grevesmühlen?
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Rechtsextreme Mobilisierung

Wer marschierte gegen den CSD in Grevesmühlen?

Während rund 1.000 Menschen den ersten CSD in der Geschichte von Grevesmühlen feierten, demonstrierten etwa 350 Rechtsextreme ein paar Straßen weiter dagegen. Doch wer waren die Menschen auf MVs bislang größten rechtsextremen Versammlung des Jahres?
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Der bekannte Rechtsextremist Sven Krüger mobilisierte unter dem Motto „Für Familie, Heimat & Tradition – statt CSD, Pädophilie und Perversion!“ rund 350 Gleichgesinnte nach Grevesmühlen (Nordwestmecklenburg).1 Vom Bahnhof aus zogen sie östlich an der Innenstadt vorbei. Damit blieb die Demonstration aus Sicht- und Hörweite des CSDs. Einzig nach dem Auflösen der rechtsextremen Kundgebung versuchten einzelne Personen, den CSD zu stören, wurden aber von der Polizei abgehalten.

Parteiveranstaltung der Heimat

Unter den Teilnehmenden der rechtsextremen Gegendemonstration waren zahlreiche Mitglieder der Partei Die Heimat (ehemals NPD). Neben dem Landesvorsitzenden Stefan Köster aus Mecklenburg-Vorpommern zeigte sich auch der ehemalige Bundesvorsitzende Udo Pastörs vor Ort. Sven Krüger war selbst einst im Landesvorstand der Partei. Alle drei sind verurteilte Straftäter. Köster wurde 2007 wegen Körperverletzung,2 Pastörs 2010 wegen Volksverhetzung3 und Krüger 2011 wegen gewerbsmäßiger Hehlerei und unerlaubtem Waffenbesitz4 verurteilt.

Auf dem Bild sieht man Stefan Köster (Heimat, NPD) bei einer Geegendemo gegen den CSD in Grevesmühlen.
Stefan Köster (links, grüne Jacke) demonstriert gegen den CSD.
Auf dem Bild sieht man Udo Pastörs (Heimat, NPD) bei einer Gegendemo gegen den CSD in Grevesmühlen.
Udo Pastörs (blaues Hemd, dunkler Mantel, dunkle Krawatte) in Grevesmühlen.

Aus Neumünster reisten die Parteimitglieder Karin Mundt und Mark Proch an. Beide waren letztes Jahr an einer neonazistischen Sonnenwendfeier in Niedersachsen zu Gast5 und sprachen in Grevesmühlen bei einer Zwischenkundgebung. Weitere Personen nahmen dieses Jahr bereits an dem durch die Heimat organisierten rechtsextremen Trauermarsch am 8. Mai in Demmin und an einer geschichtsrevisionistischen Demonstration in Dresden6 teil.

Auf dem Bild sieht man Karin Mundt (Heimat, NPD) bei einer Gegendemo gegen den CSD in Grevesmühlen.
Karin Mundt (links am Banner) ist extra aus Neumünster angereist.

Angemeldet hatte die Kundgebung in Grevesmühlen Lutz K. Er ist aus dem Milieu der Reichsbürger:innen bekannt,7 war aber ebenfalls beim Trauermarsch in Demmin vor Ort. Organisatorisch beteiligte sich außerdem Eric H., der auch in den Mobilisierungsvideos zur Veranstaltung zu sehen ist. Laut der Rechercheplattform Exif Recherche war er Unterstützer der inzwischen verbotenen Neonazi-Vereinigung Hammerskins,8 zu der auch Sven Krüger mutmaßlich gehörte.9

Auf dem Bild sieht man Lutz Kind (Heimat, NPD, Reichsbürger) bei einer Gegendemo gegen den CSD in Grevesmühlen.
Sven Krüger und Lutz K. im Gespräch mit den Sicherheitskräften am Bahnhof von Grevesmühlen.
Auf dem Bild sieht man Eric Herberg (Heimat, NPD, Crew 38) bei einer Gegendemo gegen den CSD in Grevesmühlen.
Eric H. (weißes T-Shirt) bereitet die Tontechnik für die Kundgebung vor.

Keine Einbindung junger Rechtsextremer

Während andere Anti-CSD-Demonstrationen in Deutschland von der Jugendorganisation der Heimat – den Jungen Nationalisten (JN) – organisiert wurden, war in Grevesmühlen die Mutterpartei tonangebend. Auf Fahnen und Bannern war statt des roten Logos der JN, der braune Heimat-Schriftzug zu lesen. Die Parolen der Banner ähnelten allerdings denen der Demonstrationen der JN. Generell besuchten die Veranstaltung eher ältere Menschen. Aggressiv auftretende Jugendliche wie beispielsweise auf den Anti-CSD-Demos in Magdeburg10 und Bautzen11 waren nicht vor Ort. Während in anderen Bundesländern die Heimat über die JN versucht, radikalisierte Jugendgruppen in ihre Strukturen einzubinden, ist das in MV bisher nicht zu beobachten.

Neben Funktionären und Mitgliedern der Heimat waren allerdings einige, anscheinend minderjährige Mitglieder der Kleinstpartei Der III. Weg anwesend. Auch die ehemals in Bochum aktiven Sandra B. und ihr Mann Robert demonstrierten in Grevesmühlen mit. Sie gehören ebenfalls zum Umfeld der Heimat, organisierten allerdings losgelöst von der Partei vor zwei Wochen eine rechtsextreme Kundgebung in Wismar. Diese wurde jedoch wegen einer zu geringen Zahl an Teilnehmer:innen noch vor Beginn aufgelöst.

Das Bild zeigt Sandra und Robert Bischoff beim CSD in Grevesmühlen.
Sandra (grüne Jacke) und Robert B. (stehend) warten auf den Beginn der Kundgebung am Bahnhof von Grevesmühlen.
  1. Polizeipräsidium Rostock (Hg.): Versammlungsgeschehen in Grevesmühlen am 13. September 2025, auf: polizei.mvnet.de (13.9.2025). ↩︎
  2. Der Spiegel (Hg.): NPD-Landeschef Köster wegen Körperverletzung verurteilt, auf: spiegel.de (22.3.2007). ↩︎
  3. Frankfurter Allgemeine Zeitung (Hg.): NPD-Politiker Pastörs zu Bewährungsstrafe verurteilt, auf: faz.net (16.8.2012). ↩︎
  4. Speit, Andreas: Krimineller Inländer vor Gericht, auf: taz.de (14.7.2011). ↩︎
  5. NDR (Hg.): Ratsleute aus Neumünster offenbar bei Neonazi-Treffen in Eschede, auf: ndr.de (28.6.2024). ↩︎
  6. Dokunetzwerk Rhein Main (Hg.): Geschichts­revisionis­tische Neonazi­-Demonstration in Dresden, auf: dokunetzwerk.org (15.2.2025). ↩︎
  7. Pronchow, Michael: Mecklenburger Schulschwänzer-Mutter zu fünf Monaten auf Bewährung verurteilt, auf: ostsee-zeitung.de (29.1.2025). ↩︎
  8. Exif Recherche (Hg.): „Hammerskin Nation“ in Deutschland verboten, auf: exif-recherche.org (19.9.2023). ↩︎
  9. Schöler, Martin: Das Nazidorf (Teil 3): Untergrundorganisationen, auf: katapult-mv.de (21.6.2022). ↩︎
  10.  Pixelarchiv (Hg.): Neonaziaufmarsch gegen den CSD in Magdeburg, auf: pixelarchiv.org (23.8.2025). ↩︎
  11. Pixelarchiv (Hg.): Aufmarsch gegen den CSD in Bautzen, auf: pixelarchiv.org (10.8.2025). ↩︎

Autor:in

  • Porträt von Lilly Biedermann Redakteurin Katapult MV in Greifswald

    Redakteurin in Greifswald

    Geboren und aufgewachsen in Sachsen. Ist zum Studieren vom tiefen Osten in den kalten Osten nach Greifswald gezogen.

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